Shutdown im Netz: Behörden teilweise wieder online - Städte offline
Von Nico Pointner
Stuttgart - Ministerien sind wieder erreichbar, viele Städte nicht: Nach dem vorsorglichen Abschalten von Webseiten der Landesregierung wegen einer weltweiten gravierenden Sicherheitslücke gehen Internetseiten von Behörden in Baden-Württemberg nach und nach wieder online.
Die Homepages der Ministerien der Landesregierung waren am Donnerstagvormittag weitgehend wieder erreichbar, während die Seiten zahlreicher größerer Städte zunächst weiter abgeschaltet waren. Auch einige Universitäten wie die in Heidelberg und Konstanz blieben zunächst weiter vom Netz.
Mehrere Städte verwiesen auf das kommunale Rechenzentrum Komm.One, das als landesweiter Dienstleister für die Internetseiten verantwortlich sei. Darüber seien die Webseiten abgestellt worden, wie die Sprecher von Baden-Baden und Heidelberg mitteilten.
Es werde an einer Lösung gearbeitet, sagte der Sprecher aus Heidelberg. Wann die Webseiten wieder online sein würden, sei allerdings derzeit unklar. Komm.One äußerte sich auf Nachfrage zunächst nicht.
Die Homepages der Ministerien und Regierungspräsidien waren von Mittwochmittag an nicht mehr zugänglich, dort waren teils Hinweise auf Wartungsarbeiten zu lesen. "Die Maßnahme dient dem vorsorglichen Schutz der Infrastruktur, bis die Entwickler die erforderlichen Sicherheitsupdates bereitstellen", teilte das Staatsministerium am Mittwoch mit.
Angreifer könnten die Schwachstellen aus der Ferne ausnutzen, um Schadcode auf Webservern mit PHP-Anwendungen auszuführen und IT-Systeme zu kompromittieren, so der Sprecher am Mittwoch weiter. Man werde Sicherheitsupdates einspielen und die Seiten dann wieder freischalten.
Auch mehrere Universitäten betroffen
Die Schwachstelle wird von den zuständigen Expertinnen und Experten der Sicherheitsbehörden sowie des IT-Dienstleisters BITBW als hochkritisch eingestuft, teilte das Innenministerium mit.
Auch mehrere Universitäten haben ihre Seiten vom Netz genommen. "Auf den Betrieb gibt es keine Auswirkungen", sagte ein Sprecher der Uniklinik Freiburg. "Es handelt sich nicht um einen Cyberangriff auf die IT-Systeme der Einrichtungen, sondern um eine präventive Sicherheitsmaßnahme", teilten die Universitätsklinika Heidelberg und Mannheim am Mittwoch mit. Die Patientenversorgung sei nicht betroffen.
Eine neu entdeckte, schwerwiegende Sicherheitslücke bringt weltweit das Fundament zahlreicher Webseiten und Onlinedienste ins Wanken. Betroffen ist die weit verbreitete Programmiersprache PHP, auf der ein Großteil des gesamten Internets basiert - von einfachen Blogs über große Nachrichtenportale bis hin zu komplexen Onlineshops und Content-Management-Systemen wie WordPress.
Betreiber von Webseiten - egal ob Blogs, Vereinshomepages oder Webseiten von Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen - müssen die verwendete PHP-Version ihrer Serverumgebung prüfen. Das Entwicklerteam hat am Mittwoch entsprechende Notfall-Updates bereitgestellt.
Erstmeldung um 11.57 Uhr, aktualisiert um 12.07 Uhr.
Titelfoto: Philip Dulian/dpa

