Tödliche Mähroboter und Hunger: Igelstationen im Südwesten schlagen Alarm

Von Anja Weidlich, Leonie Asendorpf

Stuttgart - Für Igel wird es zunehmend schwer in freier Natur Futter und einen Unterschlupf für den Winter zu finden: Viele der Auffangstationen in Baden-Württemberg geraten deshalb an ihre Belastungsgrenze.

In Igelstationen werden bedürftige, verletzte und verwaiste Igel aufgenommen und versorgt. (Archivfoto)  © Bernd Weißbrod/dpa

"Die Stationen sind voll mit unterernährten Igeln, Jungtieren und teilweise noch sehr kleinen Igelsäuglingen", berichtet etwa Sandra Gleich, Leiterin einer Igelstation in Kusterdingen (Landkreis Tübingen).

Die Lage in ihrer Station sei mittlerweile dramatisch. Bereits zum zweiten Mal musste sie in diesem Jahr einen Aufnahmestopp verhängen, denn die Kapazitäten für so viele hilfsbedürftige Tiere seien einfach zu gering.

Auch der Verein der Igelfreunde in Stuttgart und Umgebung sowie eine Auffangstation im Landkreis Öhringen meldeten übervolle Stationen. Die Stationen werden meist von Ehrenamtlichen betrieben.

Baden-Württemberg Läden schließen früher: Einzelhändler blicken mit Sorge auf Demo von "Gen Z regelt"

Um sich auf den bevorstehenden Winterschlaf vorzubereiten, müssen Igel im Herbst ausreichend Fettreserven aufbauen, von denen sie in den Wintermonaten zehren. Auf ihr notwendiges Gewicht kommen viele Tiere aber häufig nicht mehr, denn Nahrung und geeignete Verstecke werden knapper.

Der Igel ist mittlerweile auf der Vorwarnliste der Roten Liste für gefährdete Säugetiere gemeldet.

Anzeige

Igel werden zum Teil durch Mähroboter verletzt

Meist sind es Ehrenamtliche, die die Tiere aufpäppeln. (Archivfoto)  © Bernd Weißbrod/dpa

Zeitgleich mit der Futtersuche der Igel, beginnen viele Menschen im Herbst damit, ihren Garten auf Vordermann zu bringen. "Wiesen werden gemäht, Hecken geschnitten und Laub sowie Reisighaufen entfernt", erklärt Alexandra Ickes vom Naturschutzbund Baden-Württemberg.

Unbewusst entfernen Gartenbesitzer damit aber auch die Hauptnahrungs- und Versteckmöglichkeiten von Igeln, die sich vorrangig von Laufkäfern, Regenwürmern, Spinnen und anderen Insekten ernähren.

Durch Mähroboter werden die Tiere zudem oft lebensgefährlich verletzt. Fast die Hälfte der Igel, die von Mährobotern erfasst werden, überleben ihre Verletzungen nicht, sagt Ickes.

Baden-Württemberg Auto fährt in Gegenverkehr: Motorradfahrer schwer verletzt

Nicht alle Igel, die im Herbst noch draußen unterwegs sind, brauchen zwar automatisch Hilfe, erklärt sie. Dennoch sollte man Igel in dieser Zeit aufmerksam beobachten. Seien etwa Verletzungen oder Krankheitsanzeichen erkennbar, sollte eine Wildtierauffangstation oder Igelpflegestelle gerufen werden.

Mehr zum Thema Baden-Württemberg: