Von Gaby Maria Mahlberg, Sophia-Caroline Kosel
Berchtesgaden - Am Kehlsteinhaus am Obersalzberg in Berchtesgaden laufen die Löscharbeiten und die Ermittlungen zur Brandursache auf Hochtouren. Behörden in Bayern gehen davon aus, den mutmaßlichen Verursacher des Großbrandes gefasst zu haben.
Es gebe deutliche Hinweise, dass ein nach Ausbruch des Feuers im Umfeld des Kehlsteinhauses gefasster Motorradfahrer den Brand gelegt habe, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Ermittlerkreisen.
Wie Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (70, CSU) in einer Pressekonferenz sagte, sei der Mann, der aus der Region komme, verletzt worden und befinde sich zunächst im Krankenhaus. Nähere Informationen gab er nicht bekannt.
Nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd waren die ersten Rettungskräfte um 21.52 Uhr am Freitagabend an der Berggaststätte eingetroffen und hatten einen Großbrand festgestellt.
Die Anfahrt zum Kehlsteinhaus mit den Löschzügen gestaltete sich wegen der Lage des Gebäudes schwierig. Zudem könnten das nähere Umfeld der Gaststätte sowie das Gebäude selbst nur mit schwerer Atemschutzausstattung betreten werden.
Brandsachverständige müssen den genauen Schaden feststellen
Der mutmaßlich absichtlich gelegte Brand am Kehlsteinhaus am Obersalzberg hat einen riesigen Sachschaden angerichtet. "Der Schaden geht sicher in die Millionen", sagte der Vorsitzende des Zweckverbands Bergerlebnis Berchtesgaden, Bartl Wimmer. Nach Angaben von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) müssten nun Brandsachverständige den genauen Schaden feststellen.
Er hatte bereits zuvor betont, das Haus sei gut versichert, mögliche Ansprüche gegenüber der Versicherung würden bereits geprüft. Der Freistaat Bayern ist Eigentümer des Gebäudes.
Innenminister Herrmann spricht bereits von Wiederaufbau
Auch nach über zwölf Stunden konnte das Feuer im "Adlernest" nicht komplett gelöscht werden. Ein Polizeisprecher bestätigte: "Es ist zu einem großen Teil beschädigt. Das Haus wird eher nicht zu retten sein." Etwa 150 Einsatzkräfte befinden sich vor Ort.
Innenminister Herrmann sprach bereits von einem Wiederaufbau: "Wir werden da kaum eine Ruine stehen lassen können", sagte er am Rande des CSU-Parteitages in München.
Von Verletzten geht die Polizei aber nicht aus. Nach bisherigen Erkenntnissen habe sich niemand im Kehlsteinhaus aufgehalten.
Laut der Internetseite des Zweckverbandes Bergerlebnis Berchtesgaden sollte das Kehlsteinhaus - auch Eagle's Nest (Adlernest) genannt - in dieser Saison noch bis zum 8. November geöffnet sein.
Kehlsteinhaus in NS-Zeit erbaut
Das Gebäude auf 1834 Metern Höhe ist seit 1952 eine Berggaststätte. Es wurde 1938 fertiggestellt und befand sich in einem abgeriegelten und für die Öffentlichkeit gesperrten Wohn- und Regierungsareal der nationalsozialistischen Führung. Eine Ausstellung dort widmet sich der Geschichte des Gebäudes.
Der Zweckverband Bergerlebnis Berchtesgaden schreibt auf seiner Seite über das Haus: "Erbaut 1937/38, sollte in der NS-Zeit das damals sogenannte Teehaus als politischer Repräsentationsort abseits der Öffentlichkeit dienen. Tatsächlich blieb die Bedeutung des Kehlsteinhauses gering."
Adolf Hitler habe dort Diplomaten oder andere ausländische Gäste empfangen. "Viel häufiger nutzte es die am Obersalzberg versammelte NS-Entourage zur Erholung und für private Feiern."
Erstmeldung 7.36 Uhr, Update 15.34 Uhr.