Von Ute Wessels
München - Eine neu eingeschleppte europäische Variante des Shamonda-Virus (SHAV) breitet sich seit einigen Wochen in Bayern aus, wie das Landesamt für Gesundheit (LGL) und der Bayerische Bauernverband (BBV) mitteilen. Was ist über das Virus bekannt?
Das laut Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) neu eingeschleppte europäische Shamonda-Virus wird durch Stechmücken (Gnitzen) übertragen und ist seit Juli vor allem in Süddeutschland, der Schweiz und Frankreich aufgetreten.
Eine Ansteckung der Tiere erfolge hauptsächlich saisonal in Abhängigkeit von der Flugzeit der Stechmücken, teilte das Landesamt für Gesundheit mit. Eine direkte Tier-zu-Tier-Übertragung sei nicht belegt, mit Ausnahme der Übertragung von Muttertieren auf Nachkommen.
SHAV ist mit dem meldepflichtigen Schmallenberg-Virus verwandt, das als Symptome ebenfalls Milchrückgang, Fieber und Durchfall nach sich zieht und seit etwa 15 Jahren in Deutschland bei Rindern, Schafen und Ziegen nachgewiesen ist.
Bisher sind in Bayern vorwiegend Milchviehhaltungen (Rinder) betroffen. Wie das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) erst vor wenigen Tagen mitteilte, gibt es neben weiteren Nachweisen bei Rindern aus Baden-Württemberg, Hessen, Sachsen sowie dem Saarland nun auch positive Tests bei einem Pferd aus Rheinland-Pfalz sowie bei einem Alpaka aus Hessen.
Für den Menschen besteht laut Friedrich-Loeffler-Institut nach bisherigem Kenntnisstand kein relevantes Infektionsrisiko.
Shamonda-Virus: Welche Folgen hat eine Infektion?
Bei Milchkühen würden Fieber, Durchfall und ein Milchrückgang als Symptome festgestellt, teilte der BBV mit. "Die Tiere genesen nach einigen Tagen wieder." Dennoch bereite dieses Virus, dessen Folgen noch nicht vollumfänglich bekannt seien, den Landwirten große Sorgen, sagte eine Sprecherin.
So bestehe auch die Möglichkeit, dass eine Infektion bei trächtigen Tieren zu Aborten oder Missbildungen am Kalb führen könne.
Laut LGL sind diese fetalen Schädigungen (Arthrogrypose-Hydranencephalie-Syndrom) aufgrund der engen Verwandtschaft des SHAV mit dem Schmallenberg-Virus sehr wahrscheinlich.
Anders als betroffene Rinder zeigte das in Rheinland-Pfalz infizierte Pferd laut FLI vor seinem Tod neurologische Ausfälle. Für Verbraucher gehe keine gesundheitliche Gefahr durch Milch und Fleisch von betroffenen Tieren aus, sagte die Sprecherin.
Impfstoffe gegen SHAV stehen nicht zur Verfügung. Die einzige Möglichkeit, Tiere zu schützen, sei, das Infektionsrisiko zu mindern, heißt es vom Landesamt für Gesundheit. Sollten bei Tieren akute Symptome wie Milchrückgang, Fieber und Durchfall auftreten, sollte ein Tierarzt Proben entnehmen und an das LGL weiterleiten.