Von Leonard Fischer, Thomas Struk
Hannover/Berlin - Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt gegen den Berliner SPD-Spitzenkandidaten Steffen Krach (47). Im Raum steht der Verdacht der Bestechlichkeit.
Eineinhalb Wochen vor der Abgeordnetenhauswahl in Berlin hat die Staatsanwaltschaft Hannover Ermittlungen gegen Steffen Krach aufgenommen. In diesem Zusammenhang seien in Berlin seine Wohnung in Schöneberg sowie die SPD-Landesparteizentrale in Wedding durchsucht worden sein. Auch seine Büroräume in Hannover waren von den Ermittlern betroffen.
Nach Informationen, die dem "Tagesspiegel" vorliegen, soll Krach in diesem Zusammenhang möglicherweise von einem Träger im Gesundheitswesen eine Spende erhalten haben. Im Gegenzug soll er sich für den Träger in einem Bieterverfahren eingesetzt haben.
Der Politiker weist den Vorwurf entschieden zurück. "Es scheint jetzt im Raum zu stehen, dass ich mich in irgendeiner Form habe beeinflussen lassen. Diese Unterstellung möchte ich definitiv als haltlos zurückweisen", sagte er.
Die Staatsanwaltschaft äußerte sich nicht zu den konkreten Vorwürfen und verwies auf ermittlungstaktische Gründe.
Krach vermutet Korruptionsvorwurf
Zu den Hintergründen der Ermittlungen sagte Krach, er gehe davon aus, dass es um einen Korruptionsvorwurf gehe.
Nach Krachs Darstellung stehen die Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Verkauf eines Standorts des Klinikums der Region Hannover. Als Regionspräsident war Krach Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums. Er habe vorgeschlagen, dort ein regionales Gesundheitszentrum zu etablieren. Anschließend habe es ein Vergabeverfahren gegeben.
Er habe "in keinster Weise irgendeine Summe von diesem Bieter, weder privat, noch als SPD-Landesvorsitzender, jemals angenommen“.
Allerdings gab es eine Spende. Diese sei nach seinen Angaben innerhalb von 24 Stunden zurücküberwiesen worden, weil er sofort gesagt habe, dass er sie "definitiv nicht annehmen" könne.
Nach seiner Erinnerung soll es sich um 9500 Euro gehandelt haben. Die Spende sei von dem damals unterlegenen Bieter gekommen.
Ermittler standen am Morgen vor Krachs Wohnung
Von den Ermittlungen habe der SPD-Spitzenkandidat am Morgen erfahren. Bei einem Wahlkampftermin schilderte Krach später, wie er die Durchsuchung seiner Wohnung erlebt habe. Morgens hätten die Ermittler an seiner Tür geklingelt.
"Ich bin aus meiner Wohnungstür rausgegangen, bin unten zur Haustür", berichtete der SPD-Politiker. Zu diesem Zeitpunkt habe er gerade mit Innensenatorin Iris Spranger (64, SPD) telefoniert, weil es um den Hauptstadtfinanzierungsvertrag gegangen sei. Dann sei es plötzlich schnell gegangen: "In der Sekunde nahm mir jemand das Handy vom Ohr."
Drei oder vier Ermittler seien auf ihn zugestürmt. Das Handy sei anschließend beschlagnahmt worden. Was darüber hinaus aus seiner Wohnung mitgenommen worden sei, wisse er zunächst nicht. Krach musste nach eigenen Angaben anschließend zu einer Podiumsdiskussion der Spitzenkandidaten, während die Beamten in seiner Wohnung blieben.
Die Situation habe ihn auch persönlich getroffen. "Ich habe kleine Kinder zu Hause, die haben das heute Morgen alles mitbekommen", sagte Krach. "Das macht etwas mit einem Vierjährigen, mit einem Zwölfjährigen, auch meine Frau war zu Hause." Das Erlebnis sei für ihn "schon etwas gewöhnungsbedürftig".
Krach wolle mit Polizei und Staatsanwaltschaft zusammenarbeiten. "Ich will da absolute Transparenz und ich bin da ganz entspannt."
Erstmeldung am 9. September um 16.08 Uhr. Zuletzt aktualisiert um 19.48 Uhr.