Von Andreas Rabenstein
Berlin - Wie erleben Gäste den legendären Berliner KitKat-Club abseits von Klischees? Die neue ARD-Dokumentation "One Night at KitKat" gibt Einblicke in persönliche Geschichten und besondere Momente.
Nackte Haut schadet nicht, noch besser sind viel Fantasie und Mut beim Outfit. Der Besuch im legendären Berliner KitKat-Club, berühmt für Fetisch und sexuelle Freizügigkeit, soll etwas Besonderes sein, ein Abtauchen in eine andere Welt fern der Realität. So wollen es die Gründer und viele Besucher.
Die Filmemacher, das iranische Regie-Ehepaar Mohsen Najafimehri (35) und Diba Darbari, zeigen viel und lassen wenig aus: die große Techno-Party von Hunderten Tänzern auf zwei Dancefloors und in diversen Räumen.
Zahlreiche junge und auch manche ältere Menschen in transparenten Dessous, knapper Unterwäsche, mit Lederhosen oder Ledergurten, in aufwendigen Kostümen, ganz nackt, halb nackt oder in Ganzkörperanzügen aus Lack oder Latex inklusive Masken.
"Der Reiz ist das Verruchte und vielleicht auch das Verbotene", sagt eine Besucherin über den KitKat-Club in Berlin-Mitte, zwischen Alexanderplatz und Oranienplatz in Kreuzberg. Knutschen und BDSM-Spiele mit Seilen, Fesseln und flüssigem Wachs sind ebenso zu sehen wie Sex im Halbdunkeln nahe der Tanzfläche.
Im Mittelpunkt stehen jedoch Menschen, die mehr suchen als Feiern und Sex. Ein junges Paar erzählt von früheren Depressionen und der Angst vor dem eigenen Körper. Durch das Verkleiden und die Atmosphäre im Club habe es Freude am eigenen Körper zurückgewonnen.
Eine Künstlerin aus Tel Aviv, die in Berlin lebt, berichtet von ihrer Transition zur Frau. Ihren ersten Besuch im KitKat beschreibt sie als "magischen Moment" und sagt: "Ich fühlte mich zu Hause, ein ganz seltsames Gefühl von Heimat."
Club in Berlin: Lange Schlangen wie vor dem Berghain
Die Doku begleitet den Club von der Tür über Umkleide, Bars und Pool bis zu den Dancefloors und Kellerräumen. Gegründet wurde das KitKat vor mehr als 30 Jahren im Berlin der frühen 90er. Aus einem kleinen Club für Sex, Freizügigkeit und Hedonismus entwickelte sich eine international bekannte Institution. Heute gibt es dort neben Techno-Partys auch Tangoabende, klassische Konzerte und queere Veranstaltungen.
Mit der Bekanntheit kommen auch viele Touristen. Wie vor dem Berghain bilden sich lange Schlangen. Türsteher Roger berichtet von neugierigen, unsicheren und teils aggressiven Besuchern. Eine Domina beschreibt den Club dagegen als Freiraum, in dem sie sich sicherer und freier fühle als außerhalb.
Ein Thema der Doku sind sexuelle Übergriffe und die inzwischen eingesetzten Awareness-Teams. Den Drogenkonsum im Club spart der Film hingegen aus.
Am Ende der Nacht wird es auch im KitKat ruhiger. Die Künstlerin aus Tel Aviv sagt über den Moment, wenn die Gäste wieder nach Hause gehen: "Der schwierigste Moment ist, am Morgen wieder rauszugehen, nach Hause."
"One Night at KitKat" ist ab 16 Jahren freigegeben. Der Film startet am 30. September in der ARD-Mediathek und läuft am 8. Oktober auf 3sat. Bereits im Kino lief zudem die rund 90-minütige ZDF-Koproduktion "Kinks of Berlin" über den Club.