Kuscheln mit KI? Deutsches Start-up entwickelt Roboter gegen Einsamkeit

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Berlin - Kann ein Roboter gegen Einsamkeit helfen? Ein Berliner Start-up glaubt genau das. Mit einer menschenähnlichen KI-Begleiterin namens "Arisa" will Nova Tech Industries künftig ältere Menschen, Pflegebedürftige und einsame Personen unterstützen. Doch kann künstliche Intelligenz wirklich Nähe ersetzen oder schafft sie neue Probleme?

Die KI-Begleiterin "Arisa" soll Menschen im Alltag unterstützen und ihnen Gesellschaft leisten.
Die KI-Begleiterin "Arisa" soll Menschen im Alltag unterstützen und ihnen Gesellschaft leisten.  © Nova Tech

Die sogenannten "Humanoid Social Companions" sollen weit mehr als ein Sprachassistent sein. Ziel ist es, Gespräche zu führen, Emotionen zu erkennen und Menschen im Alltag Gesellschaft zu leisten.

Die Idee sei aus einer persönlichen Erfahrung entstanden, erzählt Geschäftsführer Salvatore-Hugo Garth im Gespräch mit TAG24. Bei seiner Mutter habe er erlebt, welche Folgen Einsamkeit haben könne. Daraus sei eine Mission entstanden, "Einsamkeit proaktiv zu bekämpfen".

Dass künstliche Intelligenz zunehmend auch emotionale Bedürfnisse erfüllt, zeigt auch eine aktuelle Befragung des Digitalverbands "bitkom". Demnach empfinden 26 Prozent der Nutzer von KI-Anwendungen diese als digitale Bezugsperson, bei den unter 30-Jährigen sind es sogar 32 Prozent. Elf Prozent fühlen sich der KI emotional verbunden, jeder Fünfte vertraut ihr Dinge an, die er keinem Menschen erzählen würde.

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Neben der Linderung von Einsamkeit sieht Garth zudem die Möglichkeit, dass solche menschenähnlichen Begleiter kognitive Fähigkeiten fördern und möglicherweise dem Fortschreiten von Demenz oder anderen geistigen Beeinträchtigungen entgegenwirken könnten.

Künstliche Intelligenz gegen Demenz

KI-Unterstützung in der Pflege bietet aus wissenschaftlicher Sicht viel Potenzial. (Symbolfoto)
KI-Unterstützung in der Pflege bietet aus wissenschaftlicher Sicht viel Potenzial. (Symbolfoto)  © Daniel Karmann/dpa

Auch aus wissenschaftlicher Sicht gibt es Chancen für humanoide KI-Begleiter. Der Neurologe Prof. Dr. Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), sagt auf TAG24-Anfrage: "Bei milden kognitiven Beeinträchtigungen ist ein positiver Effekt belegt."

Zudem gelte: "Vereinsamung und das Fehlen von sozialen Interaktionen erhöhen das Risiko für eine Demenz signifikant."

Auch in Pflegeeinrichtungen sieht Nova Tech Einsatzmöglichkeiten für das Produkt. Dort könne der Companion Gespräche führen und das Personal entlasten. Garth betont jedoch: "Was wir auf jeden Fall nicht wollen und auch nicht können, ist, eine medizinische Kraft zu ersetzen. Was wir aber können, ist, zu ergänzen."

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Diese Einschätzung teilt auch Berlit. KI-Begleiter könnten die pflegerische und ärztliche Betreuung sinnvoll unterstützen, etwa durch Erinnerungen an Medikamente, ausreichendes Trinken oder eine ausgewogene Ernährung. Doch der Mediziner betont: "Grundsätzlich können derartige Technologien zwischenmenschliche Interaktionen nicht vollständig ersetzen."

Dass eine emotionale Bindung an KI auch Risiken birgt, zeigen Apps wie Replika oder Character AI, die zuletzt wegen solcher Entwicklungen in der Kritik standen. Laut Bitkom-Umfrage fürchten 14 Prozent der KI-Nutzer, emotional von der Technologie abhängig zu werden.

Salvatore-Hugo Garth sagt, aus diesem Grund arbeite das Unternehmen mit einer Universität und Therapeuten zusammen. Ziel sei es, "eine soziale Ergänzung" zu schaffen. Auch Prof. Dr. Berlit schätzt das Risiko einer solchen Abhängigkeit bei älteren Menschen als eher gering ein.

Allerdings gebe es Patientinnen und Patienten, bei denen Vorsicht geboten sei. Insbesondere Menschen mit Halluzinationen oder anderen psychischen Auffälligkeiten könnten durch solche Technologien getriggert werden.

Die perfekte (KI-)Frau?

Mit Lederkleid und Maske vor den Augen: Die Darstellung von "Arisa" wirft Fragen auf, welches Frauenbild durch die KI-Begleiterin vermittelt wird.
Mit Lederkleid und Maske vor den Augen: Die Darstellung von "Arisa" wirft Fragen auf, welches Frauenbild durch die KI-Begleiterin vermittelt wird.  © Nova Tech

Nutzer sollen Arisas Aussehen und auch ihre "inneren Werte" individuell gestalten können. Auf den bisherigen Produktbildern präsentiert Nova Tech Industries die KI-Begleiterin jedoch als junge und stark idealisierte weibliche Figur.

Die Darstellung eines vermeintlich perfekten Frauenbildes als technische Begleiterin wirft die Frage auf, welche Erwartungen an Nähe und Beziehungen dadurch entstehen könnten.

Offen bleibt bislang auch, wie teuer Arisa sein wird, wer sie bezahlt und wie sich der angekündigte Nutzen langfristig wissenschaftlich belegen lässt.

Beim Datenschutz verspricht das Unternehmen hohe Standards. Weil die Roboter sensible persönliche Informationen speichern, sollen die Daten ausschließlich in Deutschland beziehungsweise Europa verarbeitet werden. Nutzer könnten ihre Daten jederzeit löschen lassen.

Noch steckt das Projekt allerdings in der Entwicklung. Ein Prototyp soll Ende des Jahres vorgestellt werden, erste Geräte für Privathaushalte sind ab 2027 geplant. Pflegeeinrichtungen sollen nach wissenschaftlicher Begleitung folgen.

Titelfoto: Nova Tech

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