Nach fast 50 Jahren: Autor und Filmemacher Oskar Roehler hadert mit rauem Klima in Berlin
Berlin - Der Regisseur und Schriftsteller Oskar Roehler (67) blickt mit gemischten Gefühlen auf das Leben in Berlin.
"Berlin ist schon meine Welt", sagte er der "B.Z.". Insgesamt habe er fast 50 Jahre in der Hauptstadt verbracht. Doch der zunehmend raue Umgangston mache ihm zu schaffen: "Ich liebe die Berliner, aber ich wechsle immer öfter die Straßenseite."
Als Beispiel schilderte Roehler eine Begegnung in einer Berliner S-Bahn. Dort habe ein Mann andere Fahrgäste aufgewiegelt und aus einer abgeschlagenen Wodkaflasche getrunken, die er wie eine Waffe gehalten habe. Solche Erlebnisse ließen ihn zunehmend auf Distanz zum Großstadtalltag gehen.
Dabei verwies Roehler auch auf die unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten von Menschen, die auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen seien, und jenen, die sich mit Limousinen durch die Stadt fahren ließen.
Trotz seiner Kritik will der Filmemacher Berlin treu bleiben. Roehler, der abwechselnd in der Hauptstadt und auf Mallorca lebt, bezeichnet sich selbst als überzeugten Berliner. Für die Zeit nach seinem Tod könne er sich allerdings vorstellen, dass seine Frau seine Asche im Meer vor Mallorca verstreue. Auch gegen ein Grab auf einem Berliner Friedhof habe er nichts einzuwenden.
Seine Karriere als Filmregisseur sieht Roehler weitgehend als beendet. "Ich bin raus!", sagte er. Lediglich die mögliche Verfilmung eines Romans seiner Mutter Gisela Elsner komme für ihn noch infrage. Künftig wolle er sich vor allem dem Schreiben widmen. Zuletzt veröffentlichte er den Roman "Das weiße Blatt Papier".
Titelfoto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa
