Null Toleranz bei Gewalt: Diese neuen Regeln plant Berlin für Schulen
Von Andreas Heimann, Marlen Rothenburg
Berlin - Mobbing, sexistische Sprüche und Prügeleien - an vielen Berliner Schulen ist das Alltag. Welche neuen Regeln für mehr Sicherheit sorgen sollen.
Gewalt und verbreitete Konflikte an Berliner Schulen müssen nach Überzeugung von Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (43, CDU) Konsequenzen haben.
Notwendig seien Maßnahmen, um beidem vorzubeugen und besser und schneller darauf reagieren zu können, sagte die CDU-Politikerin bei der Vorstellung eines 13-Punkte-Plans in der Bildungsverwaltung.
So sollen Gewalt und Grenzüberschreitungen nicht mehr von Schule zu Schule unterschiedlich behandelt werden. Vielmehr soll es einen einheitlichen Katalog für Regelverstöße und Krisenvorfälle geben, der festlegt, welche Schritte aus dem Vorfall folgen müssen.
Ein verbindliches Verfahren und einheitliche Bußgelder sind auch für Schülerinnen und Schüler vorgesehen, die immer wieder in der Schule fehlen und damit gegen die Schulpflicht verstoßen.
Psychologe Ahmad Mansour: "Bildung ist unsere wirksamste Sicherheitspolitik"
Günther-Wünsch hält es auch für richtig, Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen zu verschärfen, wenn Schüler etwa durch Gewalt wiederholt auffällig werden. Eine Konsequenz könnte sein, Anti-Gewalt-Trainings verbindlich anzuordnen.
Bei Gewalt soll künftig berlinweit einheitlich reagiert werden. Ein Maßnahmenkatalog soll festlegen, was bei Regelverstößen und Gewaltvorfällen passiert. Schwere Fälle sollen verbindlich dokumentiert und aufgearbeitet werden. Schulen sollen zudem engere Unterstützung durch die Jugendämter erhalten.
Psychologe Ahmad Mansour (50) begrüßt den Ansatz und fordert mehr Prävention: Empathie, gewaltfreie Kommunikation und die Fähigkeit, Widersprüche auszuhalten, müssten früh vermittelt werden. Sein Fazit: "Bildung ist unsere wirksamste Sicherheitspolitik."
Die Bildungsverwaltung hatte bereits Ende Juni eine umfassende wissenschaftliche Studie zu dem Thema vorgestellt. Nach dem "Berliner Konflikt- und Gewaltbarometer" ist Gewalt an vielen Schulen in unterschiedlichsten Varianten Alltag.
Vier Prozent der Schüler berichteten davon, sogar verprügelt worden zu sein. Ein Fünftel (20 Prozent) nannte sexistische Kommentare.
Titelfoto: Bernd von Jutrczenka/dpa
