Trauer um Joachim Lottmann: "Erfinder der Popliteratur" ist tot

Von Sebastian Fischer, Albert Otti, Sarah Knorr

Berlin - Der selbst ernannte Elder Statesman der Popliteratur, Schriftsteller Joachim Lottmann, ist tot. Er starb nach schwerer Krankheit am Sonntag im Alter von 70 Jahren, wie der Deutschen Presse-Agentur aus dem persönlichen Umfeld des Autors bestätigt wurde.

Joachim Lottmann, der zur wichtigen Stimme der Popliteratur wurde, starb im Alter von 70 Jahren.  © Karlheinz Schindler/dpa-Zentralbild/dpa

Zuvor hatten mehrere Medien darüber berichtet. Lottmann hatte seine Krebserkrankung öffentlich gemacht und mitgeteilt, dass er nicht mehr lange leben werde. Zuletzt lag der Autor in einem Wiener Hospiz.

Seit Anfang 2026 dokumentierte Lottmann unter dem Titel "Langweiliges Tagebuch" seine Erkrankung im Internet, sein Hoffen und Bangen. "Sterben ist langweilig", schrieb er darin. "Man fährt mich zum Röntgen. Das Wasser ist noch immer in der Lunge. Ich kann nicht mehr atmen, nicht mehr denken. Nur noch schreiben." 

In seinem letzten Tagebuch-Beitrag schrieb er am vergangenen Freitag mit Blick auf die medizinische Versorgung, eigentlich müsse es doch aufwärtsgehen. "Tut es aber nicht. Ich erwarte täglich das Aus. Tod durch Ersticken."

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Lottmann gilt vielen als Nestor der Popliteratur. 1956 in Hamburg geboren und anschließend in Bayern aufgewachsen, ist er eher zu den älteren Vertretern der "Generation Golf" zu zählen.

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Neunziger-Literatur ist mit dem Namen Joachim Lottmann verbunden

Mehr als ein Dutzend Bücher hat Lottmann geschrieben, teils gnadenlose, teils diffamierende Abrechnungen mit der Gesellschaft und dem Kulturbetrieb. (Symbolfoto)  © Robert Michael/dpa

"Ich war ja immer mit Jüngeren befreundet gewesen, zum Beispiel der Popjugend", schrieb er in seinem Online-Tagebuch. Ab 1976 studierte er Theatergeschichte und Literaturwissenschaft in Hamburg.

Sein Debüt "Mai, Juni, Juli" von 1987 über einen depressiven Schriftsteller auf der Suche nach einem Romanstoff im Umkreis des legendären Avantgarde-Pop-Magazins "Spex" erheben diejenigen zum Prototypen der Popliteratur, die nicht "Faserland" (1995) von Christian Kracht dafür halten.

Für seine Zeit war "Mai, Juni, Juli" erfrischend anders, regelrecht lässig, voller banaler Alltagsbeobachtungen. Anfangs von der Fachkritik verrissen, erfuhr das Buch später seine Würdigung.

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Im Jahr 2002 schrieb die "Frankfurter Allgemeine", dieser Roman sei "der Anfang von Vielem, Großem, Schönem, Lebensgenauem, was in den 90er-Jahren zu erleben und zu lesen war".

Mehr als ein Dutzend Bücher hat Lottmann geschrieben, teils gnadenlose, teils diffamierende Abrechnungen mit der Gesellschaft und dem Kulturbetrieb. Er scheute sich nicht, Namen zu nennen.

Manch Freundschaft ging dabei zu Bruch. Der Autor mit Hang zur Selbstinszenierung nahm es dabei mit der Wahrheit nicht immer ganz genau. "Alles neu erfinden, alles umlügen, dass sich die Balken biegen, aber so verblüffend intim, dass es jeder glaubt", schrieb er.

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