Berlin - Geheimdienstkrimi am Rand von Berlin: Nach dem brisanten Fund eines Waffenverstecks zieht der spektakuläre Fall weitere Kreise. Im Fokus: ein Verdächtiger hinter Gittern und mutmaßliche Anschlagspläne.
Gegen einen seit vergangenen Herbst in Rumänien inhaftierten Verdächtigen werde wegen des Verdachts der geheimdienstlichen Agententätigkeit und der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat ermittelt, sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (56, CSU) am Freitag in einer Pressekonferenz in Berlin.
In einem Waldgebiet im brandenburgischen Grenzgebiet zur Hauptstadt hatten deutsche Sicherheitsbehörden ein geheimes Waffenlager ausgehoben, wie NDR, WDR und die "Süddeutsche Zeitung" am Freitag berichteten. Darin hätten sich zwei Pistolen samt Munition befunden.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) geht demnach davon aus, dass das Depot im Auftrag russischer Nachrichtendienste eingerichtet worden sein könnte. Dobrindt äußerte sich am Freitag dazu nicht, aber eine eine "Beteiligung fremder Mächte" sein in diesem Fall nicht auszuschließen.
Der Fund erfolgte den Berichten zufolge bereits im Spätsommer 2025. Die Sicherheitsbehörden hätten einen konkreten Hinweis auf das professionell angelegte Versteck erhalten. Ermittler vermuten demnach, dass die Waffen für Personen bestimmt waren, die im Auftrag Moskaus Anschläge oder andere gewaltsame Aktionen in Deutschland verüben sollten.
Der Verdächtige in rumänischer Haft könnte nach Einschätzung der deutschen Behörden an der Anlage des Depots beteiligt gewesen sein.
Mutmaßliches russisches Waffendepot bei Berlin nicht mehr aktiv
Nach dem Fund stellten die Behörden die Waffen offenbar zunächst nicht sicher. Stattdessen seien sie funktionsunfähig gemacht, mit Ortungstechnik versehen und das Versteck überwacht worden.
Auf diese Weise hätten mögliche Hintermänner oder Abholer identifiziert werden sollen. Das Depot sei jedoch nicht mehr aufgesucht worden und gelte inzwischen als nicht mehr aktiv. Ermittler halten es für möglich, dass die Verantwortlichen von der Entdeckung erfahren hatten.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz wollte die Angaben auf Anfrage der beteiligten Medien nicht bestätigen. Zu möglichen konkreten nachrichtendienstlichen Erkenntnissen nehme die Behörde grundsätzlich nicht öffentlich Stellung, hieß es.
Die russische Botschaft ließ eine entsprechende Anfrage der Medien zu den Vorwürfen zunächst unbeantwortet. Russland hat vergleichbare Anschuldigungen in der Vergangenheit zurückgewiesen.
Deutsche Sicherheitsbehörden warnen seit Längerem vor einer verschärften Bedrohung durch russische Geheimdienstaktivitäten. Dabei geht es neben Spionage und Sabotage auch um mögliche Gewalttaten gegen Personen in Deutschland. Das mutmaßliche Waffendepot könnte nach Einschätzung der Ermittler Teil solcher Strukturen gewesen sein.
Erstmeldung vom 21. August, 11.57 Uhr, aktualisiert um 15.40 Uhr.