Todes-Drama an Brandenburger Schule: Erzieher wollte helfen - und bezahlte mit dem Leben
Von Wilhelm Pischke
Gosen-Neu Zittau - Nach der Gewalttat an einer Schule mit zwei Toten in Gosen-Neu Zittau (Landkreis Oder-Spree) hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) die Unterbringung in U-Haft gegen einen 19-jährigen Deutschen beantragt.
Dem Tatverdächtigen wird zweifacher Mord vorgeworfen, wie eine Sprecherin der Behörde mitteilte. Er soll eine 18-jährige Schülerin und einen 30-jährigen Kita-Erzieher "unter anderem aus niedrigen Beweggründen getötet" haben.
Kurz nach dem Tod der beiden sprach die Polizei von einer Beziehungstat. Laut Staatsanwaltschaft soll es sich bei der 18-jährigen Schülerin um die Ex-Freundin des Tatverdächtigen handeln. Bei der Tat starb auch ein 30-jähriger Kita-Erzieher.
Er soll nach Angaben der Behörde versucht haben, der Schülerin Hilfe zu leisten. Angaben zu dem möglichen Motiv und zum Tatwerkzeug machten Polizei und Staatsanwaltschaft bislang nicht. Nach Medienangaben soll es sich um ein Messer handeln.
Am Tag nach der Tat herrschte in dem Ort im Berliner Speckgürtel und an der Schule große Betroffenheit. "Das ist nichts, was normal ist an einer Schule", sagte Michael Kunz, Sprecher der Academedia Education GmbH, der Muttergesellschaft der Schule. "Die Schülerin war allen gut bekannt."
Es werde sehr schwer sein, zu irgendeiner Form der Normalität zurückzukehren, so Kunz. Man wolle nun schauen, wie es für die Schule mit Blick auf den Unterricht weitergehe. Die Schule sei am Freitag als "Begegnungsraum" und Ort der Trauer geöffnet. Mindestens die Hälfte der Schüler war laut Kunz am Vormittag teilweise mit Familienangehörigen zum Trauern gekommen.
Schule öffnet ab Montag wieder
Noch am Abend nach der Tat hatten sich weit über Hundert Menschen an der Schule eingefunden, um Blumen niederzulegen, Kerzen anzuzünden und gemeinsam zu trauern. Viele Menschen weinten und hielten sich in den Armen. Es herrschte eine bedrückende Stimmung. Dieses Bild setzte sich am Freitag fort.
Immer wieder kamen Menschen - häufig Kinder mit ihren Eltern - und legten Blumen, Kerzen und Zettel nieder. Auf einem der Zettel schreibt ein Kind dem getöteten Erzieher: "Wir vermissen dich so sehr!" "Du warst ein toller Hort-Erzieher. Ich vermisse dich", steht auf einem anderen Blatt Papier.
"Ich habe heute viel Trauer und Fassungslosigkeit in den Schulen wahrgenommen", sagte Brandenburgs Bildungsminister Gordon Hoffmann (47, CDU) laut einer Ministeriumsmitteilung. Die Lehrkräfte gingen sehr einfühlsam auf ihre Bedürfnisse ein. "Gleichzeitig brauchen die Kolleginnen und Kollegen selbst seelischen Beistand durch unseren schulpsychologischen Dienst und auch seitens der Notfallseelsorge und der Unfallkasse."
Laut Ministerium wird die Grundschule auf dem Campus ab Montag wieder regulären Unterricht anbieten. Wie es etwa an der Oberschule oder der Kita weitergehe, ließ Hoffmann offen. Das Notfallteam mit Schulpsychologen sei aber auch in der nächsten Woche präsent.
Fußballverein trauert um Mitspieler
Neben vielen Akteuren aus der Politik und Zivilgesellschaft äußerte sich auch der Fußballverein des toten Erziehers zu der Tat. Er sei "Torwart unserer ersten Männermannschaft und über viele Jahre engagierter Torwarttrainer" gewesen, heißt es in einem Facebook-Post des SG Grün-Weiß Deutsch Wusterhausen. Er "war weit mehr als ein Trainer und Spieler. Er war ein treuer Weggefährte, ein herzensguter Mensch und ein wichtiger Teil unserer Vereinsfamilie. Sein Tod hinterlässt eine Lücke, die nur schwer in Worte zu fassen ist."
Um Worte rangen auch viele der Repräsentanten im Ort. Die Schulvertretung und auch der Bürgermeister kündigten an, sich angesichts ihrer Trauer erst zu einem späteren Zeitpunkt äußern zu können. Die Staatsanwaltschaft in Frankfurt (Oder) kündigte an, am Nachmittag weitere Informationen zu der Tat veröffentlichen zu wollen.
Titelfoto: Britta Pedersen/dpa

