850 Jahre Tradition: Die Geschichte des Bergbaus in Sachsen

Sachsen - 40 Kilogramm Rohstoffe verbraucht jeder Bundesbürger pro Tag. Alleine für das Smartphone in unserer Tasche werden bei der Herstellung gut 30 Metalle wie Kupfer, Eisen und Lithium verbaut. Diese Bodenschätze schlummern in Sachsen unterhalb der Erde - und das in rauen Mengen.

Erkundungsbohrungen zeigen, ob das Erz rentabel und rein genug für den Abbau ist.
Erkundungsbohrungen zeigen, ob das Erz rentabel und rein genug für den Abbau ist.  © Egbert Kamprath

Auch nach 850 Jahren Bergbau gibt es in Sachsen noch prall gefüllte Lagerstätten. Bisher wurden nur die obersten Schichten erkundet, selbst der staatliche Bergbau der DDR hat wortwörtlich nur an der Oberfläche gekratzt.

"Deutschland ist beispielsweise einer der größten Kaolin-Produzenten der Welt - alleine ein Viertel des deutschen Kaolins stammt aus Sachsen", sagt Oberberghauptmann Bernhard Cramer (56).

Im Erzgebirge lagert eine ganze Reihe von wertvollen Bodenschätzen wie etwa Fluorit, Lithium, Zinn, Wolfram, Kupfer, Silber, Nickel. Aber auch seltene Hochtechnologiemetalle wie Indium oder Rubidium. Berhard Cramer ist sich sicher: Derzeit findet in Sachsen eine Renaissance des Erz- und Spatbergbaus statt.

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"Besonders jetzt in Zeiten der Krise wird Sachsen künftig eine wichtige Rolle im Bergbau spielen." Zukunftstechnologien wie E-Mobilität sind auf endliche Rohstoffe angewiesen. Wollen wir auf E-Mobilität umsteigen, brauchen wir eine Menge Lithium für Akkus von Elektroautos.

Das seltene Leichtmetall wird vor allem in Chile und Argentinien abgebaut und dann um die halbe Welt verschifft. Dabei schlummert vor unserer Haustür die größte Lithiumlagerstätte Europas. "In Zinnwald lagern etwa 40.000 Tonnen des wertvollen Metalls unter der Erde, rund doppelt so viel dazu im Lagerstättenteil auf tschechischem Gebiet", sagt Cramer.

Oberberghauptmann Prof. Dr. Bernhard Cramer (56)
Oberberghauptmann Prof. Dr. Bernhard Cramer (56)  © Steffen Füssel

Lohnt sich der Abbau wieder angesichts gestiegener Preise?

Die Lagerstätten sind gut gefüllt: Wird es in Sachsen ein neues "Berggeschrey" geben?
Die Lagerstätten sind gut gefüllt: Wird es in Sachsen ein neues "Berggeschrey" geben?  © Egbert Kamprath

Die Deutsche Lithium GmbH möchte mit bis zu 99 Bohrungen klären, ob das Vorkommen rentabel genug für den Abbau ist. Die Genehmigung dafür soll voraussichtlich Mitte Mai erteilt werden.

Ob die Rohstoffe auch in ein paar Jahren noch genauso viel Wert sind, kann niemand garantieren. "Die Preise gehen derzeit auf und ab", sagt Bernahrd Cramer.

Seit 2006 wurden in Sachsen 65 Bergbauberechtigungen für neuen Erzbergbau erteilt. Heute sind 25 Projekte am Laufen. Fünf von ihnen haben bereits das Recht auf die Errichtung eines neuen Bergwerks. Dazu gehören unter anderem das Projekt der Deutsche Lithium GmbH sowie der Saxony Minerals & Exploration GmbH, die in Pöhla auf der Suche nach Zinn und Wolfram ist.

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Nach über 20 Jahren ohne Erz- und Spatbergbau in Sachsen wurde 2015 in Niederschlag bei Oberwiesenthal wieder ein Bergwerk errichtet. Hier werden Fluss- und Schwerspat gewonnen.

Als einziges Bundesland hat Sachsen übrigens eine eigene Rohstoffstrategie, die derzeit fortgeschrieben wird. Ziele sind es unter anderem, die Rohstoffversorgung für die sächsische Wirtschaft langfristig zu sichern, sowie seine eigenen Potenziale besser zu nutzen und zu vermarkten.

Flusssäure wird als Ätzmittel in der Halbleiterindustrie genutzt.
Flusssäure wird als Ätzmittel in der Halbleiterindustrie genutzt.  © 123rf/dragonimages

Die Geschichte zur Silberstadt Freiberg

Bergbau hat in Sachsen eine jahrhundertelange Tradition.
Bergbau hat in Sachsen eine jahrhundertelange Tradition.  © Uwe Meinhold

Der sächsische Bergbau geht weit zurück bis ins Mittelalter. Um das Jahr 1168 verfielen die Sachsen in einen wahren Silberrausch, als ein ganz besonderer Fund für Aufsehen sorgte: Fuhrleute sollen bei ihrer Reise Richtung Prag auf dem Weg ein Stück Silbererz gefunden haben.

Schnell gründete sich eine bergmännische Siedlung. Die Nachricht, dass hier der „Berg frey“ sei, führte zum Ursprung der späteren Bergstadt Freiberg.

1307 wird das bereits lange Zeit angewandte Freiberger Bergrecht niedergeschrieben, es galt in großen Teilen Europas.

Bergbau hat in Sachsen eine jahrhundertelange Tradition.
Bergbau hat in Sachsen eine jahrhundertelange Tradition.  © IMAGO/imagebroker/grassegger

Ab Mitte des 16. Jahrhunderts entwickelte sich das Oberbergamt heraus. Dieses war Keimzelle der 1765 gegründeten ersten wissenschaftlichen Hochschule der Welt, der Bergakademie Freiberg.

Der Freiberger Erzbergbau endete 1969, die letzten Erzbergwerke in Altenberg und Ehrenfriedersdorf schlossen 1991. Seitdem ist der Erzbergbau in ganz Deutschland Geschichte.

Der Steinkohlenbergbau in Zauckerode hat seine Wurzeln im 16. Jahrhundert und entwickelte sich seit Anfang des 19. Jahrhunderts weiter bis zu industriellen Dimensionen, ebenso der Steinkohlenbergbau von Zwickau bis 1980 und Oelsnitz (Erzgebirge) bis 1971.

Die DDR galt als das größte Braunkohlenförderland der Welt, war später auch Nummer eins als Uranproduzent im Ostblock. Abgebaut wurde bis 1990 im Erzgebirge, in Dresden-Gittersee und in Königstein im Elbsandsteingebirge.

Titelfoto: Egbert Kamprath

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