Anwohner sauer: Neue Vollsperrung in Chemnitz sorgt für Widerstand

Chemnitz - In Chemnitz-Wittgensdorf liegen die Nerven blank. Weil die Stützmauer am örtlichen Bach erneuert werden muss, ist die Obere Hauptstraße seit Anfang der Woche voll gesperrt. Für Anwohner bedeutet die Baustelle erhebliche Einschränkungen im Alltag.

Lenny (9, r.) muss morgens zur Grundschule, Laurin (5) in die Kita - beide liegen auf unterschiedlichen Seiten der Baustelle. Die Umwege werden für Mama Manja (42) zur täglichen Zerreißprobe.  © Sven Gleisberg

"Die Arbeiten müssen durchgeführt werden, keine Frage", sagt Anwohner Karsten Neddermeyer (39). Dass die Straße allerdings für ein ganzes Jahr dicht gemacht wird und ein Teil der Siedlung dadurch nur über große Umwege erreichbar ist, sorgt bei ihm und vielen anderen für Unverständnis.

Besonders für Familien wird die Sperrung zur täglichen Herausforderung. Wittgensdorferin Manja (42) lebt oberhalb der Baustelle. Morgens muss sie ihren Sohn Lenny (9) zur Grundschule auf der anderen Seite bringen, anschließend Laurin (5) zur Kita nach Limbach-Oberfrohna.

Die zusätzlichen Wege über die Umleitung (Leipziger, Bornaer und Wittgensdorfer Straße) kosten sie so viel Zeit, dass sie befürchtet, nicht immer pünktlich zur Arbeit kommen zu können.

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Auch der Busverkehr ist eingeschränkt. Weil laut Stadt "keine geeigneten Umleitungen eingerichtet werden konnten", liegen zwischen den Ersatzhaltestellen rund 800 Meter Fußweg. "Wir müssen 30 Minuten zum Bus laufen", beschweren sich Kinder vor Ort.

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Die Stützmauer am Wittgensdorfer Bach muss ersetzt werden.  © Sven Gleisberg
Seit Anfang der Woche gibt es eine neue Baustelle in Wittgensdorf.  © Sven Gleisberg
Eine Vollsperrung auf der Oberen Hauptstraße in Wittgensdorf verärgert Karsten Neddermeyer (39, vorn) und viele andere Anwohner.  © Sven Gleisberg

Petition "Ampel statt Vollsperrung!" gestartet

An dieser Stelle kommen Autos aktuell noch vorbei, wenige Meter weiter wartet die Vollsperrung.  © Sven Gleisberg

Hart trifft es auch den örtlichen Pflegedienst. Patienten seien teilweise nur mit erheblicher Verzögerung erreichbar: "Wir fahren mittlerweile 40 Minuten Umweg. Die Versorgung ist deshalb überhaupt nicht gewährleistet."

Dazu kommen die hohen Spritkosten, beklagt auch Tobias Richter (36), der ehrenamtlicher Fußballtrainer beim FC Wacker 90 in Wittgensdorf ist, und nun dreimal die Woche 20 Minuten Umweg fahren muss. "Es ist existenzbedrohend", lautet der Tenor vor Ort.

Karsten Neddermeyer hat deshalb eine Petition gestartet. Er und bereits fast 800 Unterstützer fordern eine Baustellenampel, die zumindest eine halbseitige Durchfahrt ermöglicht.

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"Die verbleibende Restbreite zwischen Baufeld,
Baumaschinen und notwendigem Sicherheitsbereich in der Baustelle lässt
keinen regelgerechten und sicheren Straßenverkehr zu", schmettert die Stadt diesen Vorschlag auf TAG24-Nachfrage ab.

Der Ortschaftsrat arbeitet unterdessen an einer alternativen Lösung. Geplant ist laut Ortsvorsteher Kai Tietze (61), mit den Eigentümern eines privaten Weges zu sprechen, um diesen als Umleitung befahrbar zu machen.

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