Deutschlands bunte Stollen-Welt in Chemnitz: Hier wird das Traditionsgebäck genau unter die Lupe genommen
Chemnitz - Rosinen, Mandeln, Butter und jede Menge Handwerkskunst: In der Aula des Beruflichen Schulzentrums für Ernährung, Gastgewerbe und Gesundheit in Chemnitz (Arthur-Bretschneider-Straße) drehte sich am Donnerstag alles um das weihnachtliche Traditionsgebäck.
Bei der 20. Stollenprüfung der Vereinigung der Backbranche (VDB) fand die bundesweite Veranstaltung erstmals in Chemnitz, und damit in der sächsischen Heimat des Christstollens statt - anstelle wie in den Vorjahren in Bingen am Rhein.
Die rund 120 eingereichten Stollen von Bäckereien aus ganz Deutschland zeigen die Vielfalt des Weihnachtsgebäcks: vom schweren sächsischen Butter-Rosinen-Stollen über kuchenähnliche Haubenstollen bis zu ausgefallenen Varianten wie einem italienisch angehauchten Panettone und einem schwarzen Stollen aus der Krabat-Heimat Schwarzkollm.
"Stollen werden lokal sehr unterschiedlich gebacken", so Organisator und VDB-Vizepräsident André Bernatzky (52).
Während in Sachsen eher schwere Stollen gebacken werden, greifen Bäcker andernorts teilweise zu Margarine.
Es wird probiert, begutachtet und diskutiert
An den Tischen wird probiert, begutachtet und diskutiert. Insgesamt 25 Experten, darunter Bäckermeister, sind angereist, um die Gebäcke zu bewerten.
Dabei zählt nicht nur der Geschmack. Auch Form, Krusteneigenschaften, Lockerung, Struktur und Geruch fließen in die Bewertung ein. Die Stollen werden anonymisiert, lediglich ihre Postleitzahl kennen die Prüfer. Eine Prüfung dauert rund zehn Minuten. Die Ergebnisse werden in den kommenden Tagen ausgewertet.
Bernatzky, gebürtiger Burgstädter, bildet zudem Stollen-Sommeliers aus. 17 Teilnehmer absolvieren seit Mai die Ausbildung. Vier von ihnen nutzen die Prüfung zur Vorbereitung auf ihren Abschluss in der kommenden Woche. Neben einer Facharbeit stehen eine schriftliche und mündliche Prüfung an.
"Ich will aus dem Stollen ein Premiumprodukt machen", sagt der Bäckermeister und angehende Stollen-Sommelier Wolfgang Süpke (63) aus Sömmerda.
Titelfoto: Sven Gleisberg (3)

