Chemnitz - Ein Zug entgleist, tonnenschwere Lasten blockieren die Rettung - und der passende Feuerwehrkran steht womöglich in Leipzig. Die Chemnitzer Feuerwehr kann bestimmte Rettungseinsätze nicht aus eigener Kraft bewältigen. Das räumt das Rathaus jetzt ungewöhnlich deutlich ein.
Die Feuerwehr sei "aktuell nicht in der Lage", schwere Lasten zu heben oder zu ziehen, so Bürgermeister Knut Kunze (56, parteilos) in einer Information an den Stadtrat. Auch bei bestimmten Tier- und Personenrettungen aus besonderen Höhen oder Tiefen stößt sie an ihre Grenzen. Eine Rettung über ein Gebäude hinweg sei mit der vorhandenen Drehleiter nicht möglich.
Im Notfall könnte ein Kran der Leipziger Feuerwehr oder Hilfe vom THW angefordert werden, schreibt Kunze - allerdings mit einem "sehr großen Zeitansatz". Besonders heikel: Die Suche nach einer dauerhaften Lösung hat noch nicht einmal begonnen.
Alarm herrscht auch in der Atemschutzwerkstatt der Feuerwache in der Schadestraße. Standort und Ausstattung entsprechen nicht mehr den technischen Anforderungen. Kunze spricht von "akuter Dringlichkeit". Alle bezifferten Projekte summieren sich auf rund 40 Millionen Euro.
Linken-Fraktions-Chefin Susanne Schaper: "Im schlimmsten Fall kann dies Menschenleben kosten"
Linken-Fraktions-Chefin Susanne Schaper (48) warnt: "Im schlimmsten Fall kann dies Menschenleben kosten." Sie fordert schnell eine Prioritätenliste mit klarer Finanzierung. Auch Sachsen sei in der Pflicht: "Wer bestellt, muss auch bezahlen."
Bob Polzer (66, AfD-Ratsfraktion) spricht von jahrelangem "Kaputtsparen". Die konkurrierende AfD-Stadtratsfraktion vermisst einen verbindlichen Zeitplan und verlangt mehr Geld für die Feuerwehren. Volkmar Zschocke (57, Grüne) fordert, die nötigen Maßnahmen konsequent voranzutreiben.
SPD-Stadtrat Detlef Müller (61) hält dagegen: Eine Arbeitsgruppe arbeite bereits an Lösungen, außerdem helfe man sich mit anderen Feuerwehren und privaten Kranfirmen. Doch genau deren schnelle Verfügbarkeit kann das Rathaus laut eigener Vorlage nicht garantieren.