Blinder testet Ampeln in Chemnitzer Innenstadt: "Man weiß nicht, was hier funktioniert und was nicht"

Chemnitz - Das Ampel-Hickhack an der Bahnhofstraße im Bereich der Straße Am Rathaus in Chemnitz geht in die nächste Runde. Vor allem blinde Fußgänger werden dort vor enorme Probleme gestellt. Beim Vor-Ort-Test mit Lars Geithner (49) zeigte sich: Die akustischen Signale sind teilweise zu leise oder funktionieren gar nicht. Dabei geht es um die Sicherheit.

Lars Geithner (49) testet die Ampelanlagen an der Bahnhofstraße.  © Sven Gleisberg

Geithner ist selbst blind und zwei- bis dreimal pro Woche in der Innenstadt unterwegs. Als Mitglied der AG Barrierefreies Bauen kennt er die Schwierigkeiten: "Man weiß eigentlich nicht, was hier funktioniert und was nicht."

Das Problem: Die Ampeln müssen blinden Menschen gleich mehrere Signale geben (siehe weiter unten). Doch genau dieses Zusammenspiel klappt nicht zuverlässig.

An einer Querungsstelle bleibt das akustische Freigabesignal aus, an einer anderen ist es kaum zu hören. Auch das Auffindesignal ist teilweise zu leise. "Akustik und Vibration müssen immer zusammen funktionieren", fordert Geithner.

Chemnitz Lokal Grüne Welle in Chemnitz? Darum klappt's noch nicht

Immerhin: Ein Techniker der Wartungsfirma Stührenberg war vor Ort, überprüfte die Anlagen und versuchte, die Lautstärke anzupassen.

Ein anschließender Test von TAG24 zeigte jedoch: Die Probleme mit den akustischen Signalen waren weiterhin nicht vollständig behoben.

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Ampel-Störungen im Chemnitzer Rathaus bekannt

An der Busspur wird die Ampelanlage erst per Knopfdruck aktiviert.  © Sven Gleisberg

Geithner meldet die Störungen immer wieder bei der Stadt. "Das hat was mit Sicherheit zu tun. Diese Sache muss endlich mal geklärt werden", sagt er. Die Störungen gebe es bereits seit Jahren.

Immerhin funktionieren die Vibrationen an den Tastern zuverlässig und signalisieren blinden Fußgängern, wann die Ampel Grün zeigt. Doch ohne die passenden akustischen Signale fehlt ein wichtiger Teil der Orientierung.

Die Stadt hatte erklärt, dass ihr die Störung bekannt sei und die Wartungsfirma mit der Überprüfung beauftragt wurde. Das Rathaus verweist zudem auf regelmäßige Funktionsprüfungen.

Diese drei Signale werden gebraucht

Aus diesen Lautsprechern kommen die akustischen Signale für blinde Menschen. Doch sie funktionieren nicht zuverlässig.  © Sven Gleisberg

Damit blinde und sehbehinderte Menschen eine Ampelkreuzung sicher überqueren können, müssen drei Elemente zuverlässig zusammenspielen:

Auffindesignal: Ein langsames Klopfgeräusch hilft dabei, den Ampelmast und den dazugehörigen Taster selbstständig zu finden.

Vibrationssignal: Unterhalb des meist gelben Anforderungskastens befindet sich ein Taster mit einem Richtungspfeil. Schaltet die Ampel auf Grün, beginnt dieser zu vibrieren. Das Signal zeigt an, dass die Überquerung freigegeben ist. Die Pfeile weisen je nach Ausführung auf die Laufrichtung hin, etwa zu einer Verkehrsinsel oder über Straßenbahngleise und Busspuren.

Freigabesignal: Sobald die Ampel Grün zeigt, ertönt zusätzlich ein schnelles Piepen. Dieses muss bis zur Fahrbahnmitte hörbar sein und blinden Fußgängern signalisieren, dass sie die Straße überqueren können.

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