Chemnitzer schieben Tank-Frust: "Es ist die Hälfte von meinem Lohn"
Chemnitz - Der Ärger an der Zapfsäule ist groß - auch in Chemnitz. Viele Autofahrer sind sich einig: So kann es angesichts der hohen Spritpreise nicht mehr weitergehen. Besonders deutlich zeigt sich das an den Tankstellen: Bis 12 Uhr stehen die Autos an jeder Zapfsäule. Danach ist plötzlich niemand mehr da. Viele Autofahrer nutzen die Möglichkeit, vor 12 Uhr wenigstens noch ein bisschen günstiger zu tanken.
Auch Mario Wagner (58) nutzt die letzten Minuten vor 12 Uhr zum Tanken. Mit den Preisen ist der Hausmeister längst nicht mehr einverstanden: "Es ist die Hälfte von meinem Lohn. Das ist viel." Er fordert: "Man muss mal die Spritpreise senken."
Eine Rentnerin hinter ihm ärgert sich ebenfalls. "Es ist eine Schweinerei. Es ist gar nicht in Ordnung, was da mit den Spritpreisen abgeht!" Zwar sei sie nicht täglich auf ihr Auto angewiesen, den Frust von Berufstätigen könne sie aber verstehen.
Der Frustpegel steigt rapide - vor allem beim Blick auf die mittäglichen Preissprünge. In der "Star"-Tankstelle an der Leipziger Straße kostete Diesel Mittwochvormittag 2,36 Euro pro Liter, danach 2,57 Euro - ein Unterschied von 21 Cent!
In der "Sprint"-Tankstelle an der Zwickauer Straße kletterte der Super-Preis von 2,34 auf 2,50 Euro - 16 Cent Unterschied.
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Das sagen die Chemnitzer
Rita Wiedemann (73), Rentnerin
"Konkrete Auswirkungen beim Tanken merke ich nicht, da ich nur kurze Wege habe. Vielleicht kommen andere Technologien wie Wasserstoffautos nun schneller. Mein nächstes Auto wird ein E-Auto. Aber so weit bin ich noch nicht."
Max Glöckner (25), Referendar
"Ich fahre viermal in der Woche von Leipzig nach Chemnitz und komme mittlerweile auf 600 Euro Benzin im Monat. Ich habe keine Wahl, denn ich bin auf das Auto angewiesen. An Urlaub kann ich finanziell noch gar nicht denken."
Enrico Lippmann (45), Außendienstler
"Die Lage ist katastrophal. Die Regierung sollte einen Obolus an die Bürger zahlen. Aktuell fahre ich von Chemnitz nach Jena. Da ich mit dem Firmenauto unterwegs bin, habe ich selber keine Kosten. Privat bin ich vor allem mit dem Motorrad unterwegs."
Nils Schulz (19), Azubi zum Industriekaufmann
"Es ist schon scheiße. Ich wohne in Glauchau und pendele jeden Tag 60 Kilometer nach Chemnitz und zurück. Das kostet mich rund 200 Euro im Monat. Ich würde die großen Konzerne mehr besteuern oder den Gewinn deckeln."
Nicole Heide (42), Köchin
"Absolute Katastrophe! Aber man muss ja irgendwie auf Arbeit kommen. Wir kommen gerade auch vom Kinderarzt. Dorthin muss man trotzdem fahren. Auch wenn etwas mit dem Kind sein sollte, muss ich sie ja schnell von der Schule holen. Man hofft, dass es irgendwann besser wird."
Eine Alternative? Tanken im Nachbarland
Die Rentnerin beschreibt angesichts dieser Rekordpreise einen Reflex, den wohl viele kennen: "Die Spritpreise sind so hoch - ich warte jetzt. Doch auf was will man warten? Es steigt immer mehr."
Andere suchen bereits nach Alternativen - so wie die Frau, die nur zur Tankstelle gekommen ist, um ihr Auto zu putzen. Sie fahre mittlerweile nach Tschechien: "Ich zahle doch keine zwei Euro fürs Tanken!"
Georg Schubert (28) trifft der hohe Spritpreis weniger. Er fährt einen Dienstwagen und kann die Kosten über den Betrieb abrechnen.
Die Preise findet er trotzdem extrem: "Wenn ich privat bezahlen müsste, würde ich mir ernsthaft überlegen, wo ich hinfahre."
Titelfoto: Bildmontage: privat

