Nahrungsmangel im Stadtgebiet: So qualvoll verenden die Chemnitzer Störche

Chemnitz - In den Chemnitzer Storchennestern spielen sich qualvolle Dramen ab. Die Jungvögel verenden mit dem Magen voller Haushaltgummis. Dabei hatte die Brutsaison so vielversprechend begonnen.

Jens Börner (56) von der Unteren Naturschutzbehörde informierte sich am Storchennest in Grüna über die dramatische Situation.
Jens Börner (56) von der Unteren Naturschutzbehörde informierte sich am Storchennest in Grüna über die dramatische Situation.  © Kristin Schmidt

Im Wittgensdorfer Nest waren drei, in Grüna sogar vier Junge geschlüpft. Doch im Gegensatz zu den Vorjahren, in denen es reichlich Mäuse gab, fanden die Störche kaum Nahrung.

Das Grünaer Brutpaar warf in der Not eines der Jungen aus dem Nest und fraß ein weiteres auf. Trotzdem verendete das dritte Junge wenig später.

Ornithologe Kai Schaarschmidt (49) untersuchte seine Überreste: "Der Magen des Jungvogels war voller Gummiringe." Wenig später wurde der Storchenexperte nach Wittgensdorf gerufen, weil ein Jungstorch tot unter dem Nest lag: "Auch er hatte fast nur Gummis im Magen."

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Am Sonntag starb auch das letzte Küken in Grüna. Seine Untersuchung steht noch aus.

Die drei Wittgensdorfer Jungstörche wurden vor einem Monat beringt. Einer starb wenig später mit Gummi im Magen.
Die drei Wittgensdorfer Jungstörche wurden vor einem Monat beringt. Einer starb wenig später mit Gummi im Magen.  © Kristin Schmidt
Beim Beringen machten die jungen Störche noch einen gesunden Eindruck.
Beim Beringen machten die jungen Störche noch einen gesunden Eindruck.  © privat

Gummis von Gemüseabfällen sind wohl am Storchen-Drama schuld

Der Weißstorchbeauftragte Kai Schaarschmidt (49) untersuchte die Tiere.
Der Weißstorchbeauftragte Kai Schaarschmidt (49) untersuchte die Tiere.  © Kristin Schmidt

Die Untere Naturschutzbehörde ist alarmiert. Abteilungsleiter Jens Börner (56): "Wegen der Trockenheit fehlen Regenwürmer als Nahrungsquelle, auch Amphibien und Insekten sind rar. Wir vermuten, dass die Tiere die Gummis von Gemüseabfällen auf Kompostieranlagen gefressen haben."

Auf TAG24-Anfrage bestätigte der Betreiber der Anlage in Hartmannsdorf, dass sich dort regelmäßig ein bis sieben Störche aufhalten. In der Anlage landet der Bio-Müll aus Chemnitz, der bis zu fünf Prozent aus Fremdstoffen wie Plastik, Gummis von Gemüsebündeln oder Glasscherben besteht. "Hier ist jeder aufgerufen, sein Verhalten und was in der Biotonne landet zu überdenken", so Börner.

Die Naturschutzbehörde der Stadt plant eine Allianz für bessere Lebensbedingungen für die Adebare: "Wenn wir die Störche in Chemnitz behalten wollen, müssen wir für ausreichend Grünland in der Nähe der Nester sorgen."

Im Magen eines verendeten Storches aus Grüna fanden sich fast nur Gummi-Ringe.
Im Magen eines verendeten Storches aus Grüna fanden sich fast nur Gummi-Ringe.  © Kai Schaarschmidt
Auf der Kompostieranlage in Hartmannsdorf suchen viele Vögel nach Futter. Auch Störche wurden hier gesichtet.
Auf der Kompostieranlage in Hartmannsdorf suchen viele Vögel nach Futter. Auch Störche wurden hier gesichtet.  © Kristin Schmidt
Mit weggeworfenem Gemüse landen häufig auch Gummis und Plastik in den Kompostieranlagen.
Mit weggeworfenem Gemüse landen häufig auch Gummis und Plastik in den Kompostieranlagen.  © Kristin Schmidt

Angedacht ist eine Veranstaltung, zu der Grundstücksbesitzer und Landwirte eingeladen werden, die bereit sind, die Bewirtschaftung ihrer Flächen auf die Bedürfnisse der Störche abzustimmen.

Titelfoto: Kristin Schmidt

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