Stadtrats-Vorschlag in Chemnitz: Autos weg, Straßen sollen zum Kinderspielplatz werden

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Chemnitz - Bobbycars statt Blech, Straßenkreide statt Parkplatzsuche: Linke und Grüne wollen Chemnitzer Straßen zeitweise für Kinder, Nachbarn und Gastronomen erobern. Am Mittwoch entscheidet der Stadtrat über gleich zwei Anträge.

Die Brückenstraße war zur "Fête de la Musique" im Juni ein großer Spielplatz.
Die Brückenstraße war zur "Fête de la Musique" im Juni ein großer Spielplatz.  © Ralph Kunz

Die Linksfraktion fordert ein einfaches Verfahren für temporäre Spielstraßen. Bürger, Vereine und Initiativen sollen mit einem Leitfaden und einer Checkliste unkompliziert eine Straße in ihrem Wohnviertel sperren lassen können.

"Räume für Kinder und Jugendliche werden immer weniger", begründet die Fraktion ihren Vorstoß. Dabei brauche es manchmal nur Ballspiele, Rollschuhe und Straßenkreide - oder "Klappstuhl und Kaffee, um mit Nachbarn ins Gespräch zu kommen".

Dass das funktionieren kann, zeigt die Brückenstraße: Am 21. Juni gehörte der Asphalt vor dem "Nischel" für drei Stunden den Kindern und Familien. Die Linke verlangt deshalb bis Januar 2027 ein stadtweites Konzept.

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Kinder- und Jugendbeauftragte Dina Norberger (39) unterstützt den Vorstoß ausdrücklich. Die Rückmeldungen zur Aktion seien "durchweg positiv" gewesen.

Norberger schlägt zunächst eine Pilotphase zum Kindertag vor, drei Stunden mit Kreide, Bällen und Springseilen könnten reichen. "Temporäre Spielstraßen sind eine vergleichsweise einfache Maßnahme mit großer Wirkung", schreibt sie.

Temporäre Spielstraßen regelmäßig auch für Chemnitz? Für ein paar Stunden gehört die Straße dann den Kindern. (Symbolfoto)
Temporäre Spielstraßen regelmäßig auch für Chemnitz? Für ein paar Stunden gehört die Straße dann den Kindern. (Symbolfoto)  © picture alliance/dpa
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Toni Späth (27) und die Linken-Fraktion wollen es Vereinen und Initiativen erleichtern, zeitweise eine Spielstraße im eigenen Viertel einzurichten.
Toni Späth (27) und die Linken-Fraktion wollen es Vereinen und Initiativen erleichtern, zeitweise eine Spielstraße im eigenen Viertel einzurichten.  © Kristin Schmidt
Mit diesem Verkehrsschild werden echte Spielstraßen für Autofahrer gekennzeichnet.
Mit diesem Verkehrsschild werden echte Spielstraßen für Autofahrer gekennzeichnet.  © picture alliance/dpa

Grüne wollen Straßen im Sommer für mehrere Wochen sperren: Das sagt der Baubürgermeister

Baubürgermeister Thomas Kütter (50, parteilos) hält Sommerstraßen rechtlich für möglich - warnt aber vor fehlendem Personal, hohen Planungskosten und neuen Parkplatzproblemen.
Baubürgermeister Thomas Kütter (50, parteilos) hält Sommerstraßen rechtlich für möglich - warnt aber vor fehlendem Personal, hohen Planungskosten und neuen Parkplatzproblemen.  © Kristin Schmidt

Die Grünen denken noch größer. Sie können sich "Sommerstraßen" in Chemnitz vorstellen: Straßenabschnitte, Plätze oder Kreuzungen, die sechs bis acht Wochen lang vom regulären Autoverkehr befreit werden. Stattdessen könnten dort Pflanzkübel, Bänke, Spielgeräte und zusätzliche Tische für Cafés stehen.

Baubürgermeister Thomas Kütter (50, parteilos) hält solche Flaniermeilen rechtlich grundsätzlich für möglich. Allerdings müsse jede Straße einzeln auf Rettungswege, Müllabfuhr, Lieferverkehr, wegfallende Parkplätze und Folgen für Anwohner geprüft werden.

Dann tritt Kütter auf die Bremse: Im Verkehrs- und Tiefbauamt gebe es "keine personellen Kapazitäten für eine zeitnahe Umsetzung". Auch für Stadtmöbel und Beschilderung stünden "auf absehbare Zeit keine Mittel zur Verfügung".

Titelfoto: Bildmontage: picture alliance/dpa (2), Kristin Schmidt

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