Chemnitz - Seit 35 Jahren setzt sich Kay Uhrig (55) dafür ein, dass Menschen mit schweren körperlichen Behinderungen in Chemnitz selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. 1991 begann der heute 55-Jährige als Zivildienstleistender beim Teilhabedienst der Stadtmission. Heute leitet er den Bereich. Dass daraus eine Lebensaufgabe werden würde, hätte er damals nicht gedacht.
"Ich hatte Klempner und Installateur gelernt und wollte eigentlich meinen Meister machen", erzählt Uhrig. Doch die Arbeit mit Menschen gefiel ihm so gut, dass er 1993 anfing, Soziale Arbeit zu studieren und anschließend zur Stadtmission zurückkehrte. Die Wendezeit wurde für ihn zum Wendepunkt: "Auf einmal konnte man Ideen umsetzen."
Besonders bewegte ihn damals die Situation junger Menschen mit Behinderungen, die in Pflegeheimen mit deutlich älteren Menschen lebten. "Die waren dort völlig deplatziert."
Aus gemeinsamen Ausflügen entstand die Idee eigener Wohngemeinschaften. Was zunächst kaum vorstellbar schien, wurde schnell Realität. 1994 wurde die erste eröffnet.
Heute gibt es neun WGs im Stadtgebiet, aus acht Mitarbeitenden sind mehr als 100 geworden.
"Mobi - der Teilhabedienst" feiert 35-jähriges Jubiläum
Für Uhrig sind die schönsten Momente jene, "wo man Normalität erreicht, wo die Behinderung keine Rolle mehr spielt".
Deshalb heißt der Dienst heute auch "Mobi - der Teilhabedienst": "Wir wollen nicht die Behinderung in den Mittelpunkt stellen, sondern uns ist wichtig, dass Menschen teilhaben können."
Zum 35-jährigen Jubiläum findet vom 31. August bis 5. September eine Festwoche in der Heinrich-Schütz-Straße 90 statt. Geplant sind unter anderem Gespräche mit Zeitzeugen über die Behindertenhilfe in der DDR sowie ein Treffen ehemaliger Zivildienstleistender und Freiwilliger.
Weitere Infos zum Programm sind ab nächster Woche unter stadtmission-chemnitz.de abrufbar.