Waschbären, Füchse & Co.: So wild geht es in Chemnitz zu!

Chemnitz - Zuerst ein milder Winter - und dann war in der Lockdown-Hochphase draußen kaum was los. Auch deswegen trauen sich immer mehr Wildtiere ins Stadtgebiet. Das sind die Top 3 der sogenannten "invasiven Wildtierarten".

Sieht aus wie ein langgezogener Waschbär, gehört jedoch zu den Marderarten: der Marderhund.
Sieht aus wie ein langgezogener Waschbär, gehört jedoch zu den Marderarten: der Marderhund.  © Piotr Krzeslak/123RF

Der Begriff bedeutet: Diese verdrängen andere Tierarten. 

"Oft sind invasive Arten auch Tiere, die hier nicht heimisch sind", erläutert Jens Schreiber (50), stellvertretender Vorstand des Kreisjagdverbandes Chemnitz. 

"Die Top 3 der invasiven Wildtierarten in Chemnitz sind: 1. Waschbär, 2. Marderhund und 3. Fuchs - wobei letzterer heimisch ist", so Schreiber weiter.

Gerade der ursprünglich nordamerikanische Waschbär ist besonders rücksichtslos. 

"Er ist ein Allesfresser und kann gut klettern, weshalb er auch Vogeleier und junge Vögel frisst. Deshalb schädigt er heimische Tierarten und darf nicht gefüttert werden!", weiß Lutz Röder (58) vom Naturschutzbund-Regionalverband.

Apropos füttern: "Nahrungsreste sollten Sie nicht auf den Kompost werfen, das zieht Tiere magisch an. 

Waschbären und Füchse sind sehr schlau, schauen in Mülltonnen und können sich an die Gegebenheiten der Stadt sehr gut anpassen", sagt Jäger Schreiber. 

Er und Chemnitzer Schädlingsbekämpfer raten daher von offenen Kompostanlagen ab und empfehlen verschließbare.

Nicht invasiv, aber neugierig: Auch Wildschweine sind in der Stadt heimisch.
Nicht invasiv, aber neugierig: Auch Wildschweine sind in der Stadt heimisch.  © 123RF
Clever, jedoch auch Krankheitsüberträger: Bei Füchsen sollte äußerste Vorsicht geboten sein.
Clever, jedoch auch Krankheitsüberträger: Bei Füchsen sollte äußerste Vorsicht geboten sein.  © 123RF
Niedlich, aber rücksichtslos: Der Waschbär verwüstet nicht nur Gärten und Mülltonnen.
Niedlich, aber rücksichtslos: Der Waschbär verwüstet nicht nur Gärten und Mülltonnen.  © Moose Henderson/123RF
Es müsste eigentlich mehr bejagt werden, findet Jens Schreiber (50), hier mit Hund Anton (4) und einem erlegten Wildschwein.
Es müsste eigentlich mehr bejagt werden, findet Jens Schreiber (50), hier mit Hund Anton (4) und einem erlegten Wildschwein.  © privat
Findet immer wieder Wildschweinspuren auf dem ehemaligen Deponiegelände: Abfallwirtschaftsverbandsmitarbeiter Holger Enderwitz (55).
Findet immer wieder Wildschweinspuren auf dem ehemaligen Deponiegelände: Abfallwirtschaftsverbandsmitarbeiter Holger Enderwitz (55).  © Ralph Kunz

In Chemnitz gibt es einen Wildtier-Boom

Waschbär-Kenner: Lutz Röder (58) vom Naturschutzbund-Regionalverband Erzgebirge.
Waschbär-Kenner: Lutz Röder (58) vom Naturschutzbund-Regionalverband Erzgebirge.  © Kristin Schmidt

Auch andere, größere Wildtiere pirschen sich vor.

"Aus dem nahen Zeisigwald wechseln Wildschweine auf das Gelände der ehemaligen Deponie Weißer Weg. Angezogen werden sie durch die waldnahe und landwirtschaftliche geprägte Umgebung sowie die naturnahe Gestaltung des sanierten Standortes. Schäden entstanden insbesondere im sanierten Gelände sowie auf neuen Anpflanzungen und Rasenflächen", teilte der Abfallwirtschaftsverband Chemnitz mit.

Am Weißen Weg befinden sich noch eine Restabfall-Behandlungsanlage, ein Wertstoffhof und ein Müllumschlagplatz.

Die Gründe für den Wildtier-Boom sind vielfältig.

"Das milde Klima ist ideal und es gibt genügend Nahrung. Allerdings zerteilen wir mit Bebauungen auch ihre Reviere - und wundern uns, dass sie auf unseren Grundstücken auftauchen", so Jäger Schreiber.

Bei Füchsen trugen außerdem Tollwut-Schutzimpfungen zur Populations-Explosion bei. Doch die Menschennähe birgt Gefahren. Schreiber: "Es können Fuchsbandwürmer und Räude-Milben übertragen werden, von Waschbären Spulwürmer."

Er plädiert für eine stärkere, aber artgerechte Bejagung der invasiven Tierarten.

Titelfoto: Piotr Krzeslak/123RF

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