Nach 33 Jahren Planung und Streit: Endlich Baustart für die Königsbrücker Straße
Dresden - Mehr als drei Jahrzehnte wurde diskutiert, gestritten, hin und her geplant - jetzt ist es tatsächlich so weit: Mit dem Spatenstich eröffneten OB Dirk Hilbert (54, FDP) und Co. am Dienstag den Baustart an der Königsbrücker Straße. Bis 2030 wird die Rumpelpiste zwischen Albertplatz und Stauffenbergallee für 87,5 Millionen Euro erneuert.
Ja, man müsse sich kneifen, dass es wirklich wahr ist, sagte Hilbert beim feierlichen Spatenstich vor Ort. "33 Jahre Diskussionen nehmen mit dem Baustart jetzt ein Ende."
Baubürgermeister Stephan Kühn (47, Grüne) sprach von einem "historischen Moment". Fast alles werde erneuert, die Königsbrücker Straße soll künftig auch als Stadtteilzentrum mit Aufenthaltsqualität dienen, etwa im Bereich zwischen Scheunenhofstraße und Eschenstraße, dem "Eschenplatz".
Doch bis es so weit ist, müssen sich Anwohner, Händler, aber auch Pendler und DVB-Kunden gedulden. Die Arbeiten starten an verschiedenen Bereichen entlang der "Köni". Am Albertplatz sowie Antonstraße werden verschlissene Weichen erneuert, darum die Straßenbahnlinien 3, 6 und 11 bis Ende September umgeleitet. Bis dahin fahren die Linien 7 und 8 noch regulär.
Ab 28. September werden diese dann zwischen Albertplatz und Bischofsweg (über Großenhainer und Fritz-Reuter-Straße) bis Oktober 2027 umgeleitet. Danach können sie nicht mehr weiterfahren, weil sich die Arbeiten weiter in Richtung Norden verlagern. Darum richten die DVB für etwa zwei Jahre Ersatzverkehr (Bus) ab Bischofsweg ein.
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Neue "Köni" soll 2030 fertig sein
Die Verwaltung versucht für Autofahrer je eine Fahrspur auf der "Köni" offenzuhalten. Zeitweise sind jedoch Umleitungen notwendig, die über die frisch erneuerte Tannenstraße, Kamenzer Straße und Bischofsweg sowie über Schönbrunnstraße und Eschenstraße führen.
Eine nächtliche Vollsperrung zwischen Albertplatz und Bischofsweg ist vom 28. bis 30. September (je 22 bis 5 Uhr) geplant, um die Fahrleitung zu demontieren.
Im April 2030 soll alles fertig werden. Auf der neuen und etwas breiteren "Köni" ohne Kopfsteinpflaster fahren Autos (je eine Spur) und Bahnen (eigener Gleiskörper) separat, mit Ausnahme des Abschnitts von Katharinenstraße bis Bischofsweg.
Radler erhalten durchgehende Radwege. 122 Bäume fallen, 133 werden neu gepflanzt. Vorgesehen auch barrierefreie Haltestellen, Querungsstellen, Bänke, Fahrradbügel und drei Trinkbrunnen.
Der unterirdische Raum mit Leitungen für Strom, Gas, Glasfaser, Wasser und Fernwärme wird neu geordnet, teils kaiserliche Rohrleitungen von 1875 ersetzt. Von 153 Parkplätzen (so 2016 gezählt) bleiben 112. Ab nächste Woche beantworten Ansprechpartner in einem Infopunkt am Albertplatz Fragen zu den Bauarbeiten. Sprechzeiten sind dienstags und donnerstags (16-18 Uhr) sowie mittwochs (12-14 Uhr).
Ausbau-Odyssee mit über 20 Varianten
Die Planungen für die Königsbrücker begannen schon in den 90er-Jahren, erinnert sich Baubürgermeister Stephan Kühn, der damals noch Nachwuchspolitiker war.
Jahrzehnte später gab es mehrere gescheiterte Verfahren und über 20 verschiedene Varianten. Nach Einigung im Rat 2016 startete unter dem damaligen Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (49, Grüne) ein drittes Planfeststellungsverfahren. Sechs Jahre später gab die Aufsichtsbehörde grünes Licht.
Bis dahin steuerten Kühn (seit Oktober 2020 im Amt) und sein Geschäftsbereich das Verfahren durch Hunderte Einwendungen, Umweltprüfungen und weitere Hürden. So musste die Stadt etwa noch ein kleines Stück Fußweg nahe Albertplatz für 600.000 Euro von Vonovia abkaufen, um die Straße verbreitern zu können.
Nach 33 Jahren Diskussion und Planung brachte Kühn das Projekt damit auf die Straße.
Abschied von alter Königsbrücker Straße: ein Trauerkranz für den "historischen Boulevard"
Nicht alle freuten sich über den Baustart: Kurz vorm Spatenstich hielten einige Aktivisten eine "letzte Mahnwache" für die "alte" Königsbrücker Straße ab.
Mitglieder der Bürgerinitiativen "Königsbrücker muss leben!" und "Stadt muss atmen" nahmen so Abschied von ihrem Ideal eines schlanken Königsbrücker Boulevards. Lange hatten sie sich gegen den grundhaften Ausbau eingesetzt.
"Wir haben in den letzten 28 Jahren immer leidenschaftlich für ein Umdenken bei der Königsbrücker Straße gekämpft", so Bündnissprecher und PVP-Stadtrat Martin Schulte-Wissermann (55, Piraten). "Wir brauchen hier die vierreihige Baumallee mit den großen Bäumen und Platz neben der Straße – die Königsbrücker ist ein historischer Boulevard und keine Transitstrecke."
Die Gruppe legte als "letzten Akt" einen Trauerkranz an einem Baum ab.
Titelfoto: Bildmontage: Steffen Füssel

