Neuer Anstrich für Elbbrücke: Ein Wunder-Teil ist wieder blau
Dresden - Damit aus dem "Grauen Wunder" wieder das Blaue Wunder wird: Seit Freitagabend kommen Autofahrer wegen Sanierungsarbeiten nicht mehr über die Elbquerung. Die elftägige Sperrung nutzt die Stadt, um Baugerüste auf der Blasewitzer Seite aufzubauen. Anschließend wird auf beiden Seiten weitergearbeitet. Doch davon bekommt man kaum etwas mit, dabei karren Spezialkräfte tonnenweise kontaminierten Abfall von der Brücke weg.
Falls Ihr Euch wundert: Der mittlere Teil der Brücke erstrahlt schon seit 2023 im historischen Blau, doch danach mussten die Arbeiten zwei Jahre lang wegen eines Vergabestreits ruhen. Seit Mai vergangenen Jahres geht es weiter - allerdings hauptsächlich verhüllt unter Planen.
Darunter arbeiten Kräfte (Firma Leonhard Weiss), die "aussehen wie Astronauten", erklärt der städtische Projektleiter Robert Bauch (40). Die Mitarbeiter schlüpfen vor Ort in einen luftundurchlässigen Anzug mit belüftetem Helm und kleinem Sichtfenster, damit kein gefährlicher Staub eintritt.
Mit Strahldüsen tragen sie die alte Beschichtung der Stahlträger ab. Das kontaminierte Material (feiner Staub aus Hochofen-Schlacke, Beschichtungsstoffen und Dreck) wird anschließend abgesaugt und entsorgt - mittlerweile sind so bereits 150 Tonnen zustande gekommen.
Was die anstrengenden Abstrahlarbeiten (maximal zwei Stunden am Stück) betrifft, spricht Straßenbauamtsleiterin Simone Prüfer (60) respektvoll von "Wahnsinn".
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Arbeiten sollen auch an den Wochenenden laufen
Erst danach, wenn die "nackten" Stahlteile zum Vorschein kommen, können neue Beschichtungen (teils gelb, rot, grau) für den Korrosionsschutz (hält 30 Jahre) aufgetragen werden.
Erst die vierte und letzte Schicht ist das historische Blau. Außerdem werden noch Nieten getauscht, verrostete Bleche erneuert - alles in Handarbeit.
Stück für Stück rücken die Einhausungen dann weiter, ab Frühjahr dürften weitere Teile im frischen Blau zum Vorschein kommen. Die Loschwitzer Seite soll 2030 fertig werden, ein Jahr danach die Blasewitzer Seite. Der Verkehr soll bis dahin weitgehend auf zwei der drei Spuren weiterfließen können.
Von den geplanten Baukosten in Höhe von rund 34 Millionen Euro wird knapp die Hälfte gefördert. Während der aktuellen und bis Jahresende notwendigen verlängerten Wochenendsperrungen werde auch sonnabends und sonntags gearbeitet, so Bauch.
"Auch, wenn man das nicht immer sehen kann."
Das Geheimnis der alten Farbe
Grau, Türkis, Grün oder doch Blau – in welcher Farbe schimmert das Blaue Wunder (Baujahr 1893) eigentlich wirklich?
Über die Jahre wurde die Brücke immer wieder ausgebessert, dabei auch mit unterschiedlichen Farben überpinselt. Als etwa 1984 die Farbe ausging, wurde einfach mit einer anderen weitergestrichen.
Metallrestauratorin Annegret Michel vom Landesamt für Denkmalpflege kratzte 2019 wochenlang mit einem Skalpell Materialproben ab, analysierte diese im Labor.
An einer Wendeltreppe in einem Brückenpfeiler fand sie schließlich die historische Farbe. Dank dieser Farbpigmente konnte der genaue Blauton bestimmt werden, der jetzt auch wieder zum Einsatz kommt.
Titelfoto: Bildmontage: Norbert Neumann (2)

