Am Montagmorgen zwangsgeräumt: Sechsköpfige Familie wohnt jetzt unter freiem Himmel
Dresden - Wer nicht mitmacht, verliert! Eine sechsköpfige Familie lehnte jahrelang staatliche Förderungen ab, zahlte aber auch keine Grundsteuer fürs Eigenheim. Seit der Zwangsräumung am Montagmorgen sind sie obdachlos in Leuben.
Tomaten, Paprika und Kartoffeln gedeihen rund ums Haus. 2009 kauften die Redniks, wie sie sich selbst nennen, ihr Familienhaus an der Stephensonstraße, sanierten und bewirtschafteten es eigenhändig, zerrissen die Personaldokumente - und versorgten sich selbst.
Am Montag wurden sie um 6 Uhr morgens per Zwangsräumung aus ihrem Zuhause geholt: "Ich habe etwas klicken gehört und dann einen maskierten Beamten mit Gewehr hinterm Busch gesehen, der mit so einem roten Punkt auf mich gezielt hat", berichtet Michelle (25), eine der vier Töchter.
Ein Spezialkommando stürmte das Haus. Der Vater sei dabei mit "übermäßiger Gewalt" gegen die Wand gedrückt worden. Eine Platzwunde an seinem Kopf ist nach dem Einsatz sichtbar. "Sie haben unsere Fenster zerschlagen, unser Tor zerstört, obwohl alles bei uns offen ist, unsere Haustür hat nicht mal ein Schloss", berichtet Mutter Annette schockiert.
Seit diesem Morgen ist die sechsköpfige Familie ohne Obdach und sitzt unter einem Balkon am Straßenrand, unweit des einstigen Familienhauses: "Wir gehen doch nicht in eine Notunterkunft von den Verbrechern, die uns vor die Tür gesetzt haben", poltert Familienoberhaupt Michael (57).
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Hilfe aus der Nachbarschaft war sofort da
Die erste Nacht haben die drei volljährigen Töchter mit ihrem Vater auf der Straße geschlafen. Die Mutter kam mit der zehnjährigen Tochter bei Nachbarin Saskia Schulz unter. Für die 27-Jährige "eine Selbstverständlichkeit".
Familienoberhaupt Michael hat seit 2015 keine Grundsteuer mehr für das Haus bezahlt. Ein Jahr später wurde ein Verfahren zur Zwangsversteigerung eingeleitet. "Am 24. November letzten Jahres wurde unser schuldenfreies Zuhause angeblich verkauft, für 350.000 Euro." Die Redniks blieben jedoch im Haus wohnen. Bis Montag.
Das Amtsgericht Dresden war an der Zwangsräumung beteiligt. Ein Sprecher erklärt: "Der Ersteigerer des Grundstücks beauftragte den Gerichtsvollzieher direkt." Das Dresdner Jugendamt ist eingeschaltet. Am Abend nach der Räumung erhielt die Familie eine Nachricht.
Jan Donhauser (57, CDU), Bürgermeister für Bildung, Jugend und Sport, sagt auf Nachfrage: "In der Regel ist das Jugendamt bei solchen besonderen Situationen begleitend angefragt." Die Möglichkeit, sich Hilfe zu holen, wird die Familie wohl jedoch ablehnen.
Die Rückkehr ins Eigenheim ist undenkbar, ein Neuanfang an einem anderen Ort unvorstellbar: "Wir wollen ja nur in Ruhe gelassen werden", grübelt Michael leise vor sich hin.
"Wir gehören zu keinen Reichsbürgern oder Querdenkern und wollen hier auch keinen Schrecken verbreiten. Wir ...", dann versagen der Mutter die Worte und ihre Tochter Jenny ergänzt mit Tränen in den Augen "... wollen nur unser Zuhause zurück."
Titelfoto: Bildmontage: Petra Hornig//Eric Münch
