Am Montagmorgen zwangsgeräumt: Sechsköpfige Familie wohnt jetzt unter freiem Himmel

Dresden - Wer nicht mitmacht, verliert! Eine sechsköpfige Familie lehnte jahrelang staatliche Förderungen ab, zahlte aber auch keine Grundsteuer fürs Eigenheim. Seit der Zwangsräumung am Montagmorgen sind sie obdachlos in Leuben.

Sitzen nun wortwörtlich auf der Straße: Mama Annette Rednik mit den Töchtern Michelle (25), Jenny (27), Zarina (10) und Anna (24). Daneben der am Kopf verletzte Familienvater Michael (57).  © Petra Hornig

Tomaten, Paprika und Kartoffeln gedeihen rund ums Haus. 2009 kauften die Redniks, wie sie sich selbst nennen, ihr Familienhaus an der Stephensonstraße, sanierten und bewirtschafteten es eigenhändig, zerrissen die Personaldokumente - und versorgten sich selbst.

Am Montag wurden sie um 6 Uhr morgens per Zwangsräumung aus ihrem Zuhause geholt: "Ich habe etwas klicken gehört und dann einen maskierten Beamten mit Gewehr hinterm Busch gesehen, der mit so einem roten Punkt auf mich gezielt hat", berichtet Michelle (25), eine der vier Töchter.

Ein Spezialkommando stürmte das Haus. Der Vater sei dabei mit "übermäßiger Gewalt" gegen die Wand gedrückt worden. Eine Platzwunde an seinem Kopf ist nach dem Einsatz sichtbar. "Sie haben unsere Fenster zerschlagen, unser Tor zerstört, obwohl alles bei uns offen ist, unsere Haustür hat nicht mal ein Schloss", berichtet Mutter Annette schockiert.

Dresden Crime Dresdens Polizeihundestaffel: Nur viel Übung macht aus Tier und Herrchen ein Team

Seit diesem Morgen ist die sechsköpfige Familie ohne Obdach und sitzt unter einem Balkon am Straßenrand, unweit des einstigen Familienhauses: "Wir gehen doch nicht in eine Notunterkunft von den Verbrechern, die uns vor die Tür gesetzt haben", poltert Familienoberhaupt Michael (57).

Anzeige
Töchter und Vater schlafen jetzt auf der Straße.  © Eric Münch
Das Familienhaus wurde komplett leergeräumt.  © Petra Hornig
Am Montag wurde die Familie per Zwangsräumung aus dem Haus in der Stephensonstraße 21 gebracht.  © Petra Hornig

Hilfe aus der Nachbarschaft war sofort da

Die vertraute Nachbarin Saskia Schulz (27) hat sofort Hilfe angeboten.  © Petra Hornig

Die erste Nacht haben die drei volljährigen Töchter mit ihrem Vater auf der Straße geschlafen. Die Mutter kam mit der zehnjährigen Tochter bei Nachbarin Saskia Schulz unter. Für die 27-Jährige "eine Selbstverständlichkeit".

Familienoberhaupt Michael hat seit 2015 keine Grundsteuer mehr für das Haus bezahlt. Ein Jahr später wurde ein Verfahren zur Zwangsversteigerung eingeleitet. "Am 24. November letzten Jahres wurde unser schuldenfreies Zuhause angeblich verkauft, für 350.000 Euro." Die Redniks blieben jedoch im Haus wohnen. Bis Montag.

Das Amtsgericht Dresden war an der Zwangsräumung beteiligt. Ein Sprecher erklärt: "Der Ersteigerer des Grundstücks beauftragte den Gerichtsvollzieher direkt." Das Dresdner Jugendamt ist eingeschaltet. Am Abend nach der Räumung erhielt die Familie eine Nachricht.

Bildungsbürgermeister Jan Donhauser (57, CDU).  © Eric Münch

Jan Donhauser (57, CDU), Bürgermeister für Bildung, Jugend und Sport, sagt auf Nachfrage: "In der Regel ist das Jugendamt bei solchen besonderen Situationen begleitend angefragt." Die Möglichkeit, sich Hilfe zu holen, wird die Familie wohl jedoch ablehnen.

Die Rückkehr ins Eigenheim ist undenkbar, ein Neuanfang an einem anderen Ort unvorstellbar: "Wir wollen ja nur in Ruhe gelassen werden", grübelt Michael leise vor sich hin.

"Wir gehören zu keinen Reichsbürgern oder Querdenkern und wollen hier auch keinen Schrecken verbreiten. Wir ...", dann versagen der Mutter die Worte und ihre Tochter Jenny ergänzt mit Tränen in den Augen "... wollen nur unser Zuhause zurück."

Mehr zum Thema Dresden Crime: