King Kong im Dresdner Albertinum: Bereits am Eingang wird gebrüllt

Dresden - King Kong, wirklich? Der Riesenaffe, unterm Arm die geraubte "weiße Frau", brüllt den Besucher an, kaum dass er durch die Eingangstür ist. Überrascht davon dürfte nur sein, wer sich in der französischen Bildhauerei des 19. Jahrhunderts nicht auskennt. Wer tut das schon.

Emmanuel Frémiets King-Kong-Vorbild "Gorilla, eine Frau raubend".  © Eric Münch

Ein Knalleffekt zur Begrüßung. "Gorilla, eine Frau raubend", ist der Titel dieser Skulptur von Emmanuel Frémiet in der Ausstellung "Das große Drama", die bis 22. August im Albertinum zu sehen ist. Die Skulptur von 1887 ist zweite Ausformung des Motivs (in der ersten ging es um eine schwarze Frau), 1894 begründete sie mit anderen Werken, wie "Ehernes Zeitalter" und "Mann mit gebrochener Nase", beide von Auguste Rodin, die Dresdner Sammlung französischer und belgischer Avantgarde-Plastik.

Frémiets Werk wurde tatsächlich zur Mitinspiration des legendären Hollywood-Films "King Kong und die weiße Frau" von 1933, doch darum geht es in dieser Ausstellung nicht. Auch deren Titel "Das große Drama" hat einen anderen Hintersinn, nämlich den des Skandals, welchen die Avantgarde-Plastik und deren Ankäufe für die Dresdner Sammlungen damals auslöste. Der Fokus liegt auf Auguste Rodin, um dessen Werk herum die Ausstellung gebaut ist.

Die Schau würdigt auch den Gründer dieser Sammlung, Georg Treu (1843-1921). Er hatte die Skulpturensammlung 1882 übernommen und leitete sie mehr als drei Jahrzehnte. Treu kaufte ab 1894 Werke unter anderem von Rodin, der in Frankreich verschrien war. Auch Treu musste sich heftiger Angriffe erwehren. "Krankhafte Ausländerei" warf man ihm vor, weil er einen Abguss des "Monument aux morts" (Denkmal für die Toten) von Albert Bartholomé für Dresden erworben hatte; auch dieses Riesenwerk ist hier zu sehen.

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70 Plastiken Rodins sowie anderer französischer und belgischer Künstler sind ausgestellt, eingerahmt von 24 Gemälden sowie Fotografien, Medaillen, Plaketten und historischen Dokumenten, die ein Abbild der damaligen Zeit schaffen. Viele der Werke seien seit 1939 nicht mehr öffentlich ausgestellt und teilweise noch nie vorher zu sehen gewesen, sagt Albertinums-Direktorin Hilke Wagner.

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Schau im Albertinum ist beeindruckend und besonders

Dieses Porträtgemälde Georg Treus von Leon Pohle stammt aus dem Jahr 1901.  © Eric Münch

Das populärste der ausgestellten Werke ist Rodins "Der Denker", der in vielen Museen der Welt, unterschieden nach Größe und Material, zu Hause ist. So gibt es Ausführungen in Bronze oder Marmor. Die Dresdner Skulptur ist aus Gips, mehr als 183 Zentimeter groß, 1904 für Dresden angekauft. Schon 1912 gehörten 20 Rodins zur Sammlung.

"Alle wurden direkt beim Künstler erworben", sagt Kuratorin Astrid Nielsen. Rodin war stolz auf das große Interesse aus Dresden. "Ich bin sehr glücklich, so gut in Ihrem Museum vertreten zu sein, lieber mit mehreren Gipsen als mit einem einzigen Marmor", schrieb er an Treu. Das Zitat schmückt eine der Ausstellungswände.

Die Schau im Albertinum ist beeindruckend und besonders - auch deshalb, weil sie als erste Ausstellung der SKD seit Jahrzehnten komplett aus eigenem Bestand - ohne Leihgaben - zusammengesetzt ist. Was einerseits Ausweis eigenen Könnens ist, ist andererseits ein Stück weit wohl Notwendigkeit aus Finanznot, welche die SKD-Museen sich auf die eigenen Bestände konzentrieren lässt.

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Gleichwohl stecken auch in dieser Ausstellung erhebliche Geldmittel, allein für den Einsatz der Restauratoren, um manche Stücke dafür fit zu machen. Förderung kommt von der Kulturstiftung der Länder.

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