Kleingarten-Chefin ist verärgert: Feuerwehr knackt Schloss, obwohl es einen Schlüssel gibt
Dresden - Stell Dir vor, es brennt und die Feuerwehr steht vor verschlossenen Toren: Vor wenigen Wochen brannte es im Kleingartenverein "Am Anton-Günther-Park" in Dresden-Pieschen. Weil alle Zugänge versperrt waren, knackten die Kameraden kurzerhand das Torschloss, um zur Brandstelle zu gelangen. Das Problem: Eigentlich ist genau für solche Einsätze direkt am Eingangstor ein Safe mit Zugangsschlüssel hinterlegt.
Verärgert blickte deshalb Kleingarten-Chefin Christiane Hutschenreuther (69) auf das kaputte Torschloss. Ein Überbleibsel des Lösch-Einsatzes auf dem rund 12.000 Quadratmeter großen Areal: "Wir haben den Safe vor sechs Jahren angebracht und alles mit der Feuerwehr vor Ort besprochen." 400 Euro investierte der Verein für den Safe, "was keine geringe Summe für uns war".
Doch scheinbar war das den Kameraden im Einsatz nicht bewusst. Denn im Nachgang an die Löschmaßnahmen berichtete Feuerwehrsprecher Michael Klahre (46) davon, dass "sämtliche Zugangstore zur Kleingartenanlage verschlossen und mit Vorhängeschlössern gesichert waren".
Auf Nachfrage lässt sich "nicht zweifelsfrei feststellen", ob die Kameraden vor Ort von dem Schlüssel wussten, so Klahre auf Nachfrage.
Priorität hatte die Brandbekämpfung und hierbei orientierten sich die Einsatzkräfte im Dunklen am sichtbaren Feuerschein: "In diesem konkreten Fall wurde der vorhandene Schlüsseltresor dabei nicht erkannt beziehungsweise genutzt."
Versicherung dürfte einspringen
Der Fall soll nun zum Anlass genommen werden, interne Absprachen zu treffen, sodass beim nächsten Mal der Schlüssel auch genutzt wird.
In diesem Fall besonders wichtig, denn laut Christiane Hutschenreuther kommt es etwa zweimal im Jahr zu Feuer oder Vandalismus bei den Laubenpiepern in Pieschen.
Das kaputte Torschloss ist jetzt ein Fall für die Versicherung.
Zwar ärgerlich, aber solche Schäden seien in den letzten Jahren stets übernommen worden: "Die Feuerwehr hat ja sonst wieder mal eine Super-Arbeit gemacht."
Das Falsche im Richtigen: Von Jakob Anders
Bei der Feuerwehr zählt im Einsatz jede Sekunde, jeder Handgriff. Absprachen müssen im Notfall blind funktionieren. Dass beim Einsatz im Kleingartenverein in Pieschen ein Torschloss beschädigt wurde, um auf das Gelände zu gelangen, darf deshalb kritisch hinterfragt werden. Denn der Einsatz zeigt auch: Es lief eben nicht alles reibungslos.
Der Verein investierte 400 Euro für einen Tresor, hinterlegte darin einen Schlüssel für Rettungskräfte und muss am Ende doch ein geknacktes Schloss verzeichnen. Mehr als ärgerlich, weil zuvor alles dafür getan wurde, dass die Feuerwehr im Ernstfall reibungslos aufs Gelände gelangt.
Gleichzeitig wartet kein Feuer darauf, dass Einsatzkräfte erst den richtigen Schlüssel finden. Wenn es brennt, muss die Feuerwehr Zugang finden oder schaffen. Da ist ein beschädigtes Schloss – verglichen damit, dass Einsatzkräfte bei einem Dachstuhlbrand mitunter Dächer aufreißen müssen, um an die Brandstelle zu gelangen – letztlich ein geringer Schaden.
Dass die Abläufe nun intern aufgearbeitet werden sollen, ist deshalb wichtig. Ein Schloss lässt sich ersetzen. Ein Brand kann Gebäude, Erinnerungen und Existenzen für immer vernichten. Letztlich hat die Feuerwehr in diesem Fall eindeutig das Richtige getan. Nur eben auf dem falschen Weg.
Titelfoto: Bildmontage: Ove Landgraf, Norbert Neumann

