Gefangen an den Gleisen: Kann ein Taubenschlag die Tiere am Hauptbahnhof retten?
Dresden - Eingesperrt und verhungert - so geht es einigen Stadttauben vom Dresdner Hauptbahnhof. Innerhalb einer Woche waren zuletzt zwei junge Tauben hinter den Netzen der Stahlträger an den Gleisen eingesperrt. Statt Hilfe zu erhalten, wurden Tiere und Tierschützer vertröstet.
Marcel Polenz (27) von der Stadttauben-Initiative ist empört: "Uns wurde eine junge Stadttaube gemeldet, die hinter einem Netz auf Gleis 14 eingeschlossen war. Kurze Zeit später konnten wir eine andere an Gleis 10 retten, weil der Stahlträger zugänglich war."
Tagelang meldeten die Ehrenamtlichen den ersten Fall bei der DB-Zentrale, doch die Auskünfte hätten sich widersprochen. An einem Tag filmten sie das Jungtier noch lebend, zwei Tage später wurden zwei tote Tauben hinter dem Netz entdeckt.
"Wir müssen davon ausgehen, dass es unter den toten Tieren ist." Die Deutsche Bahn hingegen betont, eine Taube hervorgeholt zu haben - allerdings an Gleis 12.
Immerhin: "Aktuell stehen wir mit der Errichterfirma der Vergrämung in Kontakt, um eine Überprüfung und Reparatur der Netze durch Industriekletterer durchführen zu lassen", so DB-Sprecher Jörg Bönisch (56) auf TAG24-Anfrage.
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Tierschützer pochen auf Vorzüge des Taubenschlags
Für die Tierschützer sind Schutznetze der richtige Ansatz, mit offenen Stellen aber eine "Todesfalle für Jungtiere": "Es braucht einen Taubenschlag, wir könnten Eier austauschen, um die Population zu minimieren. 80 Prozent des Taubenkots würden im Schlag landen", betont Taubenschützer Polenz.
Den Taubenschlag auf dem Dach hat die Bahn sogar bereits für rund 7000 Euro angeschafft. Nachdem zunächst Krähen eindringen konnten, wurde der bauliche Mangel behoben.
In Betrieb ist der Schlag dennoch nicht. Für den Unterhalt fehlen der Initiative monatlich bis zu 500 Euro. "Unser Verein funktioniert auf Spendenbasis, wir können es nicht alleine unterhalten", sagt Polenz.
Außerdem steht die Bahn dem Betrieb bislang skeptisch gegenüber. Es fehle eine geeignete Partnerschaft, erklärt DB-Sprecher Bönisch.
Wie es weitergeht, entscheidet ein heutiges Gespräch zwischen Bahn und Taubenverein. Auch ein mögliches Pilotprojekt, bei dem sich die Stadt finanziell beteiligen will, könnte Thema sein.
Titelfoto: Bildmontage: Holm Helis
