Das Kleinod wäre vor 30 Jahren fast abgerissen worden: Schloss Wachau lädt zum Wohnen ein

Dresden - Das Dresdner Residenzschloss oder die Elbschlösser Albrechtsberg, Lingnerschloss und Schloss Eckberg kennt wohl jeder. Doch wusstet Ihr, dass in und um Dresden weit über hundert weitere Herrscherhäuser stehen, umrankt von zahllosen Geschichten und Legenden? TAG24 hat sich für eine neue Serie auf die Spur dieser weitgehend geheimnisvollen und fast vergessenen Seite von Dresden gemacht. Schlösser, Burgen, Rittergüter - lasst Euch überraschen.

Der Saal soll erhalten und als Büro genutzt werden.
Der Saal soll erhalten und als Büro genutzt werden.  © Thomas Türpe

Bei sächsischen Barockschlössern denken die meisten an Rammenau und Moritzburg. Schloss Wachau haben die wenigsten auf dem Schirm. Dabei steht das nur 25 Kilometer vom Dresdner Stadtzentrum entfernt und spielt laut Sachsens Denkmalschützern in einer Liga mit den beiden anderen. Trotzdem wäre es vor 30 Jahren fast abgerissen worden. Doch die Gemeinde hat sich 1991 zum Glück anders entschieden.

Es wäre aber nicht das erste Mal gewesen, dass ein Gebäude an dieser Stelle zerstört wird. So wurde bereits 1218 ein Herrensitz in Form einer Wasserburg erwähnt. Das Herrenhaus brannte jedoch 1527 ab, nachdem ein Knecht nahe der Zugbrücke ein Feuer gelegt hatte.

Es wurde danach zwar wieder aufgebaut, 200 Jahre später aber abgerissen, um Platz für den Schlossneubau zu schaffen. Den gab Magdalena Sophie Gräfin von Schönfeld (1692-1757) für ihren Sohn Johann Georg (1718-1770) in Auftrag.

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Das Highlight ist sicher der heute noch erhaltene Festsaal, an dessen Wänden unter anderem Bilder der Jagd und der Land- und Forstwirtschaft zu sehen sind. Das Gemälde an der Decke zeigt Apollo, der auf Pegasus durch den Himmel reitet.

Nachdem Johann Georg von Schönfeld kinderlos starb, wechselten mehrfach die Besitzer, ehe es der Leipziger Kaufmannssohn Gotthelf Kühne (1858-1931) im Jahr 1883 kaufte.

Kühne ließ zahlreiche Umbaumaßnahmen im Inneren durchführen, bei denen unter anderem das Maurische Zimmer entstand, das der andalusischen Mudéjar-Architektur nachempfunden ist. 1891 ließ er vom königlich-sächsischen Gartenbaudirektor Max Bertram (1849-1914) den Schlosspark umgestalten.

Historische Räume werden zum Tag des offenen Denkmals für Besucher geöffnet

Wachaus Bürgermeister Veit Künzelmann (58, CDU) ist froh, dass neues Leben ins Schloss einzieht.
Wachaus Bürgermeister Veit Künzelmann (58, CDU) ist froh, dass neues Leben ins Schloss einzieht.  © Thomas Türpe

Nach Kühnes Tod lebte sein Neffe bis zur Enteignung 1945 im Schloss. Danach gehört es Jahrzehnte der Gemeinde Wachau. "Zu DDR-Zeiten gab es im Schloss 17 Wohnungen, zwei Läden und eine Arztpraxis", sagt Bürgermeister Veit Künzelmann (58, CDU). 1990 war kurze Zeit auch mal das Standesamt dort untergebracht. Nachdem sich der Gemeinderat 1991 für die Sanierung entschieden hat, wurde das Schloss ausgeräumt und steht seitdem leer.

Aber nicht mehr lange. Nach mehreren gescheiterten Versuchen, das Schloss zu verkaufen und wiederzubeleben, hat es die Gemeinde 2019 für 350.000 Euro an den Investor Neth Immobilien verkauft. Geplant ist die Schaffung von zehn Eigentumswohnungen und exklusiven Büroflächen in den historischen Räumen wie dem Saal und dem Maurischen Zimmer.

Zum Tag des offenen Denkmals sollen die historischen Räume dann auch für Besucher geöffnet werden. Das war den Wachauern beim Verkauf wichtig.

Das Wachauer Barockschloss spielt in einer Liga mit den Schlössern in Rammenau und Moritzburg.
Das Wachauer Barockschloss spielt in einer Liga mit den Schlössern in Rammenau und Moritzburg.  © Norbert Neumann

Bis es soweit ist, wird es aber noch dauern. "Wenn alles ideal läuft, können wir Ende des Jahres mit den Bauarbeiten beginnen", sagt Eiko Großmann, der für das Projekt verantwortlich ist. Die werden mindestens anderthalb Jahre dauern. Kaufinteressenten für die Wohnungen gebe es bereits, sagt Großmann. Zu möglichen Preisen hält er sich aber ebenso bedeckt wie zur Summe, die in die Sanierung fließt.

Titelfoto: Norbert Neumann

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