Dresden - Schatullen sind gemeinhin Schmuckkästchen, in ihrer Form natürlich stets in zeitgenössischem Geschmack gestaltet. Ihre Gestaltung wird nachträglich immer auch zu einem Speicher der Gesellschaft. In Dresden werden Design-Artefakte wie in einer Schatulle im Kunstgewerbemuseum (KGM) der Staatlichen Kunstsammlungen (SKD) gesammelt. Am Dienstag wird es 150 Jahre alt.
Wie wirkt Gestaltung? Kann sie den Geschmack einer Gesellschaft beeinflussen? Ist gute Gestaltung – heute vor allem Design genannt – auch von wirtschaftlicher Relevanz? Diese Fragen waren Ausgangspunkt für die Eröffnung des Museums vor 150 Jahren am 15. September 1876.
Damals wurde das Museum der Kunstgewerbeschule am Antonsplatz angegliedert, 1914 aus dessen Verwaltung herausgelöst und eigenständig. In den letzten Kriegswochen 1945 erfuhr man herbe Verluste, die aus Mitteln des DDR-Kulturfonds ergänzt wurden. Seit 1963/64 ist das Museum in den verschiedenen Palais des Schloss Pillnitz ansässig, wo es üblicherweise zwischen Mai und Oktober geöffnet ist. Wegen Sanierungsarbeiten sind die Örtlichkeiten aktuell geschlossen, dennoch gibt es bis 1. November immer sonntags, 14 Uhr, Führungen durch das Bergpalais.
Von Anfang an war es das Ziel des KGM, durchs Sammeln vorbildlicher Objekte die Qualität und Innovationsfähigkeit sächsischer Erzeugnisse zu steigern und damit die Wettbewerbsfähigkeit des Landes auf nationalen und internationalen Märkten zu stärken, wie die SKD betonen.
Das Jubiläum wird mit einer Reihe von Veranstaltungen und Vorträgen gefeiert
Diese Themen beschäftigen das Museum bis heute. Ab Herbst 2027 ist dazu eine eigene Ausstellung unter dem Titel "Geschmackssachen. Vom Kunstgewerbe zum Design" im Japanischen Palais geplant. Das Jubiläum wird mit einer Reihe von Veranstaltungen, Vorträgen, Führungen und Konzerten im dortigen Ausweichort gefeiert.
Museumsdirektor Thomas A. Geisler (55): "Heute besitzt das Kunstgewerbemuseum eine bedeutende, über 80.000 Objekte zählende Sammlung von Kunsthandwerk, Asiatika, Stilmöbeln, modernen Klassikern bis hin zum zeitgenössischen Design."
Das Jubiläum biete nicht nur Gelegenheit, auf 150 Jahre Museumsgeschichte zurückzublicken. "Es eröffnet zugleich die Möglichkeit, die Rolle des Kunstgewerbemuseums als Ort der ästhetischen Bildung, des Austauschs und der Auseinandersetzung mit Gestaltung neu zu befragen."
Zum Jubiläum erscheint eine Sonderausgabe der Dresdener Kunstblätter unter dem Titel "150 Jahre Kunstgewerbemuseum" bei Sandstein Kultur, herausgegeben von den SKD. Das Heft will einen Einblick in die dynamische und keineswegs lineare Entwicklung des Museums vermitteln und zeigen, wie eng Sammlung, gesellschaftliche Veränderungen und die Vorstellungen von Gestaltung miteinander verbunden sind.