Dresden/Luzern - Am Freitag jährt sich der Terroranschlag aufs World Trade Center vom 11. September 2001 zum 25. Mal. Der deutsche Wahl-New-Yorker Jan Vogler (62), Cellist und Intendant der Dresdner Musikfestspiele, wiederholt dafür beim Lucerne Festival seine Bach-Performance mit der jungen US-Lyrikerin Amanda Gorman (28).
Es ist ein zweiter emotionaler Höhepunkt: Denn die Dresdner Musikfestspiele erleben derzeit ihren Abschluss im europäischen Ausland. Am Donnerstag gastierte das Festspielorchester unter Dirigent Kent Nagano mit Wagners "Götterdämmerung" in historischer Aufführungspraxis beim Lucerne Festival, am Sonntag wird es noch einmal im Théâtre des Champs-Élysées in Paris aufgeführt. Ende für das weltweit beachtete Dresdner Ringprojekt "The Wagner Cycles".
Damit nicht genug: Jan Vogler tritt heute in Luzern noch einmal mit der US-Lyrikerin Amanda Gorman auf - eine Reprise ihrer poetisch-musikalischen Performance in der New Yorker Carnegie Hall im Februar 2024 - diesmal am 25. Jahrestag des Anschlags.
Der Lucerne-Festival-Intendant Sebastian Nordmann hat das Motto "American Dream" für diesen Jahrgang gewählt, es werden die Verse Gormans auf Voglers Bach-Interpretation treffen.
Amanda Gorman wurde weltberühmt, als sie bei der Amtseinführung des demokratischen US-Präsidenten Joe Biden ihr Gedicht "The Hills We Climb" vortrug. Im ostdeutschen Cellisten Vogler fand sie einen kongenialen Partner.
Jan Vogler bleibt trotz der Tragödie ein Fan von New York
Beide sprachen in dieser Woche im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über ihre Zusammenarbeit. Vogler sagt darin, dass er gespürt habe, dass zwischen Gormans Poesie und seiner Passion für Bach etwas entstehen könne: "Und Amanda gab der Idee des verrückten deutschen Cellisten eine Chance."
Gorman lobt: "Im Studio entstand eine magnetische Energie." Das Zusammenspiel sei ein Dialog, so die Schriftstellerin im FAZ-Interview: "Ich passe Tempo und Lautstärke an Jans Spiel an, er hört auf Schlüsselwörter meines Gedichts. Nichts darf konkurrieren."
Als die Flugzeuge in die Twin Towers krachten, war Gorman drei Jahre alt. Zu jung, um sich zu erinnern. Sie hat aber einen Wunsch: "Wir wollen der Finsternis Hoffnung und unser Mitgefühl entgegensetzen, wollen nach vorne blicken, ohne die Vergangenheit aus dem Blick zu lassen." Jan Vogler bleibt trotz der Tragödie ein Fan von New York, wo er seit Langem lebt.
Für ihn ein "ungeheuer positiver Ort": "Nach 9/11 wurde die Stadt für mich noch grandioser, weil sie versuchte, etwas Unüberwindbares zu verarbeiten." Dieser zweite gemeinsame Auftritt mit Amanda Gorman war lange geplant, auf Tournee werden sie gleichwohl nicht damit gehen. Gorman sagt dennoch: "Vielleicht können wir es öfter aufführen."