Kunst aus Fett, Öl und Blut: Große Beuys-Schau in Dresden

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Dresden - In Dresden war er nie und überhaupt nur einmal in der DDR. Dennoch ist die Beziehung zwischen dem Künstler Joseph Beuys (1921-1986) und den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) 40 Jahre nach dem Tod des Künstlers, eng. Die neue Ausstellung, "Ich bin ein Sender … Die Zeichnungen von Joseph Beuys" im Kupferstich-Kabinett (bis 17. Januar), die in Zusammenarbeit mit der Menil Collection in Houston (USA) entstanden ist, beweist das.

Die Kunst von Joseph Beuys braucht den konzentrierten Blick.
Die Kunst von Joseph Beuys braucht den konzentrierten Blick.  © Thomas Türpe

Vor sechs Jahren erhielten die SKD den Bestand von 173 Beuys-Werken als Dauerleihgabe, überlassen von der Sammlung Bastian, die eines der weltweit bedeutendsten und umfangreichsten Konvolute an Beuys-Werken in Privatbesitz im Eigentum hat. Zusätzlich sind im Jahresrhythmus Schenkungen erfolgt.

Die aktuelle Ausstellung, deren Titel ein Zitat des Künstlers aufgreift, enthält 110 Arbeiten, sortiert in fünf Abteilungen, die das Leben des Künstlers über 40 Jahre, von 1945 bis 1985, reflektieren. Kuratiert wurde die Schau von Martin Buhlig und Björn Egging. Letzterer ist ehemaliger Kurator des Kupferstich-Kabinetts, mittlerweile Chef des Staatlichen Museums Schwerin.

Joseph Beuys war in der alten Bundesrepublik berühmt als Bildhauer, Provokateur und politischer Aktivist. Fett und Filz gehörten zu seinen liebsten Materialien, Reminiszenz an schwere Kriegsverletzungen, die unter anderem mit diesen Stoffen geheilt werden konnten.

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Als Zeichner nahm ihn die Öffentlichkeit damals wenig wahr, dabei kam diese Kunst aus derselben Quelle wie die Bildhauerei.

Auch hier arbeitete der Künstler, neben Zeichenstift und Malfarben, mit Naturstoffen wie Fett, Öl oder Blut - "Blut und Haar auf Packpapier" ist der Titel einer Arbeit - sowie dem von ihm entwickelten "Braunkreuz", einer Rostschutzfarbe aus dichtem braunen Pigment mit Anteil von Eisenoxid.

Kupferstich-Kabinett in Dresden gehört zu wichtigen Beuys-Standorten

Der Hut war sein Markenzeichen: Joseph Beuys (1921-1986).
Der Hut war sein Markenzeichen: Joseph Beuys (1921-1986).  © imago/stock&people

Von "vielseitiger Materialität" spricht Kurator Martin Buhlig; Beuys habe den Begriff von Zeichnung erweitert, sagt sein Kollege Björn Egging.

Von gegenständlicher Motivik sind die Arbeiten nur im Ausnahmefall, die meisten haben hohen Abstraktionsgrad. Da muss der Betrachter Fantasie aufbringen.

Direkt verständlich ist Beuys, wenn es politisch wird. "Organisation für echte Demokratie durch Volksabstimmung" ist eine Arbeit von 1971 aus mit Bitumen bemalten Papierbroschüren. Mit der zeichnerisch-schriftlichen Installation "Partituren zum erweiterten Kunstbegriff" (1978) - gerahmten Seiten eines Schreibheftes - erklärt sich der Künstler ein Stück weit selbst.

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Werner Schmidt, früherer Direktor des Kupferstich-Kabinetts, begründete Anfang der 70er-Jahre die Beuys-Sammlung am Haus. Seit der Dauerleihgabe 2020 gehört das Museum zu den international wichtigsten Beuys-Standorten.

Und die Sammlung wird erweitert. Er freue sich, dass die vor vielen Jahren von seinen Eltern Céline und Heiner Bastian gegründete Familiensammlung in Dresden ihren Bestimmungsort gefunden habe, sagt Aeneas Bastian, Galerist und Kunstsammler. Er werde "dem Kupferstich-Kabinett weitere Werke von Beuys schenken."

Zur Ausstellung ist ein englischsprachiger Katalog erschienen.

Titelfoto: Bildmontage: Thomas Türpe

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