Nadel, Faden, Fantasie: Wie diese Dresdnerin Second-Hand-Kleidung in fabelhafte Kostüme wandelt
Dresden - Ob Meerjungfrau, Burgfräulein, Fee oder Bewohnerin eines geträumten Planeten - Anna Kühl (26) kann im elften Stock ihrer Plattenbau-Wohnung in jede erdenkliche Welt entfliehen. Dank Fantasie und Fingerfertigkeit.
Denn Anna näht in ihrer Freizeit fabelhafte Kostüme, in die sie bei interaktiven Rollenspielen mit Gleichgesinnten schlüpft. In solch einem fantastischen Gewand wird sie beim Sommernachtsball am 19. September als Walking Act durch die Operette flanieren.
Ein besonderes Faible hat Anna für das Mittelalter wie auch mystische Gestalten. Auf der Schneiderpuppe hängt eine schwarze Robe mit goldenem Rippen-Bustier aus Thermoplast.
"Dazu trage ich eine weißblonde Perücke und Hörner", beschreibt Anna ihren Aufzug, den sie beim Ball tragen wird. Das Outfit passt wie angegossen zum Thema Unterwelt.
Stolz zeigt Anna ein Foto. Sie steht - dergestalt gewandet - auf einem Baumstumpf in einem dunklen Wald. Es öffnet sich im Kopf sofort eine Tür in eine fantastische Welt, gebaut aus Gedanken, Wünschen und Sehnsüchten.
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Weltfremd ist Anna keineswegs!
Auf ihre Flurwände hat Anna - und das verwundert nicht - einen Mini-Wald gemalt, den Sicherungskasten hinter einem Baumstamm versteckt.
Doch weltfremd ist Anna keineswegs! Eher praktisch und nachhaltig. "Mit 16 habe ich mir erste Kostüme genäht. Mittlerweile habe ich bei meinen Eltern auf dem Dachboden ein Depot mit 30 Kleidern. Am liebsten schneidere ich aus zwei, drei Second-Hand-Teilen ein neues Kostüm", erzählt Anna, die im wahren Leben in der Marketingabteilung eines großen Unternehmens arbeitet.
Neben einer modernen Overlook-Maschine rattert das unverwüstliche DDR-Model Textima aus dem VEB Nähmaschinenwerk Wittenberge.
"Diese tolle, robuste Maschine habe ich von meiner Mama übernommen, sie macht bei keinem Stoff schlapp." Schon schnurrt der Faden durch dicken Walkstoff. Ein waldgrünes Cape entsteht - es hält in Alltag und Mythenwelt gleichermaßen kuschelwarm.
Titelfoto: Bildmontage: Julia Celiker, Thomas Türpe

