Dresden - Ein kreisrunder Regenbogen erstrahlt ab sofort im Mathematisch-Physikalischen Salon im Dresdner Zwinger. Der dänisch-isländische Künstler Ólafur Elíasson (59) hat dieses Werk eigens für das Museum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) angefertigt. Möglich wurde die Erwerbung durch die Stifter des Vereins Freunde der Staatlichen Kunstsammlungen e. V. (Museis Saxonics Usui).
"Die SKD sind vor allem als historischer Sammlungsbestand bekannt", sagt deren Generaldirektor Bernd Ebert (54). Gleichwohl würden sich alle Museen des Verbundes bemühen, ihren Bestand in die zeitgenössischen Zusammenhänge von heute zu stellen.
Zu Elíassons Arbeit sagt Ebert: "Wir haben damit kein fertiges Werk erworben, sondern eines, das in monatelanger Arbeit mit dem Künstler und dem Team des Museums entstanden ist." Es erzeuge, so Ebert, eine Sogwirkung.
Elíassons analoges Kunstwerk heißt "Euphorisches Licht für den Mathematisch-Physikalischen Salon", es braucht einen Spiegel, ein prismatischen Glasring und eine zentrale Vollspektrum-LED.
Die Lichtinstallation hat einen Durchmesser von zwei Metern und leuchtet ab jetzt dauerhaft im Globensaal des Museums - dessen dunkelstem Raum - in einem Lichtkreis, der von Violett und Tiefblau bis hin zu kräftigem Rot strahlt.
Und das in der 1728 gegründeten Sammlung, die zu den weltweit ältesten für optische Apparate zählt.
Künstler Ólafur Elíasson: "Habe mich immer für die Geschichte der Wissenschaft interessiert"
"Ich habe mich immer für die Geschichte der Wissenschaft und deren Instrumente interessiert", sagt Elíasson.
Er sei in vielen Arbeiten der Frage nachgegangen, wie Licht wahrnehmbar gemacht werden kann. Ihm gehe es um Reibung zwischen humanistischer und wissenschaftlicher Kunst. Es gäbe, so der Künstler, den Horizont des Wissens, und etwas dahinter: "Es geht um Neugier auf Sachen, die man noch nie zuvor gesehen hat."
Michael Korey, Oberkonservator des Mathematisch-Physikalischen Salons, ist begeistert: "Es ist ein Tag der Freude, ein Tag des Danks."
Vor 400 Jahren schon habe der berühmte Astronom Johannes Kepler nach einem Besuch der Dresdner Kunstkammer die erste korrekte Beschreibung des menschlichen Sehvorgangs erstellt. Elíasson sei nun selbst ein Künstler, der über das Sehen nachdenke. Korey greift Elíassons Metapher des Horizonts auf: "Jeder Regenbogen in der Natur ist eigentlich ein ganzer Kreis. Nur der Horizont verhindert, dass wir ihn als solchen sehen."
Petra von Crailsheim, Vorstandsvorsitzende des SKD-Freundeskreises, zeigt sich dankbar: "Elíassons 'Euphorisches Licht' zeigt, was möglich ist, wenn privates Engagement neue Perspektiven mit unseren Stifterinnen und Stiftern ermöglicht."
Am Samstag finden um 14.30 und 16 Uhr Kunstgespräche mit Michael Korey statt, Anmeldung unter: besucherservice@skd.museum.