Dresden - Zusammengerechnet haben diese beiden Dresdner mehr als 153 Jahre auf dem Buckel: Eberhard Kühne (81) als Leitender Branddirektor und Peter Esche (72) als Verkaufsleiter. Während sie eigentlich ihre Füße hochlegen könnten, unterrichten sie nun lieber jugendliche Migranten.
Sowohl Esche als auch Kühne sind Ehrenamtliche beim Senior Experten Service (SES). Hier geben seit 1983 Ruheständler ihr Wissen weiter.
Ob im Ausland in ihrem alteingesessenen Beruf oder eben nun schon das dritte Schuljahr in Folge am Beruflichen Schulzentrum "Friedrich Siemens" in Pirna.
"Hier bringen wir Afghanen, Syrern, Tschetschenen oder auch Libyern Deutsch bei", erklärt der Branddirektor. Er hat dabei eigentlich mehr als 40 Jahre im Brandschutz gearbeitet. 2005 ging es für ihn dann in die Pension, doch nach "14 Tagen zu Hause bin ich zu Siemens nach Berlin gegangen".
Währenddessen war Peter Esche als Maschinenbauer 31 Jahre als Verkaufsleiter tätig - zehn Jahre davon sogar im Ausland.
"Der Ruhestand war danach erst mal eine Katastrophe." Ambitioniert, auch danach was zu machen, stieß er auf die SES.
"Eigentlich wollte ich in Afrika eine Schule und die nötige Wasserversorgung bauen. Doch dann kam Corona." Also schickte das SES die beiden unabhängig voneinander an das BSZ. Dort sind sie nun "Deutsch-Trainer und Lebenskünstler", so Kühne.
Für ihn ist der Ansporn dabei klar: "Ich habe Lebenserfahrung und war viele Jahre aktiv tätig. Nun möchte ich das an junge Menschen weitergeben."
Dresdner halten sich beim Unterricht von Migranten nicht an Lehrplan
Neben Deutsch-Unterricht erklären die beiden, "wie Deutsche so ticken, wie unsere Kultur ist, der Mix ist spannend."
Einen Lehrplan gibt es nicht: "Wir haben freie Hand. Ich lese zum Beispiel mit ihnen Robinson Crusoe in leichter Sprache. Manchmal schreiben wir auch ein Diktat", erklärt Feuerwehrmann Kühne.
Der Maschinenbauer braucht hingegen Struktur. So unterrichtet er zwei Klassen und unterstützt zwei Azubis im Bereich Physik und Mathe.
"Deshalb nutze ich den Lehrplan vom Goethe-Institut und die Unterlagen vom Schubert Verlag. Auch wenn der Inhalt manchmal schwierig ist, ziehe ich durch", erklärt Esche.
Wenn die Hälfte des Kurses anschließend eine Berufsausbildung beginnt, weiß er, die Mühe hat sich gelohnt.
"Man muss Freude daran haben, sonst hat Ehrenamt keinen Sinn. Es kostet Freizeit, aber die haben wir ja auch."
Infos: ses-bonn.de