Bedrohungen, Manipulation, Gewalt: Wie eine rechte Jugendgruppe das Hochland in Atem hält
Dresden - Das Hochland hat ein Neonazi-Problem. Die vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestufte "Hochland Jugend" (die Abkürzung HJ erinnert an die Hitlerjugend) treibt am Stadtrand ihr Unwesen. Gegenspieler werden bedroht, politische Bemühungen im Ortschaftsrat blockiert. Umstritten ist dabei die Ratsvorsitzende Manuela Schreiter (53, WIR für's Hochland): Ihr Sohn geriet bereits mehrfach ins Visier der Ermittler.
Schon bevor sie die Verfassungsschützer im Juli als rechtsextrem einstuften, wurde die "Hochland Jugend" auffällig. In eigenen T-Shirts sah man sie im August 2025 beim rechten Protest gegen den CSD in Bautzen. Im Frühjahr fielen sie durch verfassungsfeindliche Sticker und Flyer auf.
Auch für die Zivilgesellschaft wurde es unangenehm: "Da steckten Zettel mit meinem Gesicht im Fadenkreuz in meinem Briefkasten", sagt Tom Keiling (40), Vorsitzender des Vereins "Zentrum Interkultureller Verständigung Dresden" (ZIVD).
Auch sein Sohn wurde in der Schule drangsaliert. Zweimal wurden zudem die Bremsscheiben des Vereinsbusses mit Sprühfett manipuliert.
Im April beschäftigte sich der Ortschaftsrat Schönfeld-Weißig mit der HJ. Grüne, Linke und SPD forderten, der Rat solle die Aktivitäten verurteilen. Zudem solle OB Dirk Hilbert (54, FDP) eine Handlungsstrategie zum Umgang mit der Gruppierung erarbeiten sowie ein Präventionskonzept zum Schutz von Kindern und Jugendlichen entwickeln.
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Sohn von Ortsvorsteherin posiert mit Hitlergruß
Doch auch mit Unterstützung der CDU fand lediglich die Verurteilung der HJ-Aktivitäten eine knappe Mehrheit - alles andere blockierten AfD und das einst nach CDU-Austritt formierte Bündnis "WIR für's Hochland" (WfH). Dessen Chefin und Ortsvorsteherin Manuela Schreiter hatte gegen sämtliche Punkte gestimmt.
Das kommt kaum überraschend, wenn man das Treiben ihres Sohnes (19) beleuchtet. Bei Instagram posierte er 2023 mit Hitlergruß. Erst 2026 wurde deswegen der Staatsschutz aktiv.
Nicht das einzige Verfahren: Auch wegen des Anschlags auf Keilings Bus ermittelten die Beamten wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr gegen Schreiters Sohn.
Der kam bislang glimpflich davon: "Von der Verfolgung wurde nach Einleitung erzieherischer Maßnahmen, konkret einer Ermahnung durch das Jugendamt und der Erbringung von Arbeitsleistungen von 60 Stunden, abgesehen", bestätigt Rebecca Gahse (27), Sprecherin der Staatsanwaltschaft Dresden.
Tobias R. soll bei Angriff auf SPD-Politiker beteiligt gewesen sein
Folgen hat das trotzdem. "Frau Schreiter war in der Abstimmung befangen. Deswegen stellt sich die Frage, ob sie als Ortschaftsratsvorsitzende noch tragbar ist", sagt Ratsmitglied Christoph Braun (47, SPD). Schreiter wollte sich auf TAG24-Anfrage nicht äußern.
Felix Stübner (38), der die CDU im Hochland führt: "Frau Schreiter versucht, das Thema HJ totzuschweigen, blockiert die Aufarbeitung."
In seine gemeinsame Bürger-Sprechstunde mit Finanzminister Christian Piwarz (51, CDU) kamen Anfang September auch zwei HJ-Mitglieder, darunter Tobias R. (19). "Sie meinten, sie seien nur ein rechter Freundeskreis und distanzierten sich von Gewalt", so Stübner.
Wie friedliebend Tobias R. tatsächlich ist, wird das Amtsgericht bald entscheiden: Er muss sich wegen Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung verantworten, soll sich am Angriff auf den Europolitiker Matthias Ecke (43, SPD) im Mai 2024 beteiligt haben.
Grünen-Fraktionschefin kritisiert fehlende OB-Strategie
Und: Auch der Dresdner Stadtrat befasst sich auf seiner nächsten Sitzung erstmals mit der HJ.
"Wir dürfen uns nicht dem Schein der Belanglosigkeit des Themas hingeben, nur weil die öffentlichen Aktivitäten in den letzten Wochen zurückgegangen sind", betont Grünen-Fraktions-Chefin Katharina Ringler (35). Vom OB sei bislang keine Strategie erkennbar.
"Rechtsextremismus ist ein generelles Thema und betrifft nie nur einen bestimmten Stadtteil oder eine Region, sondern die gesamte Gesellschaft", antwortet Hilbert jetzt auf die Frage, ob Schönfeld-Weißig ein Neonazi-Problem habe. "Wir sehen eine zunehmende Radikalisierung und Gewaltbereitschaft, aber auch Normalisierung extremistischen Gedankenguts."
Gemeinsam mit Partnern der Sicherheitsbehörden und Zivilgesellschaft sei man deshalb nicht nur in Schönfeld-Weißig aktiv, setze auf Prävention, demokratische Bildung, Jugendarbeit und Vernetzung.
Titelfoto: Montage: Screenshot/Instagram, privat

