Hier soll das Schmutzwasser der Chipfabriken abfließen: Mega-Rohr für Dresdens Gülle fertig
Dresden - Wenn ab 2028 die Produktion in der neuen ESMC-Fabrik startet, wird von den Chipfabriken im Norden fast so viel Schmutzwasser abfließen, wie die gesamte Einwohnerschaft der Stadt erzeugt. Damit das Netz überhaupt diese Mengen aufnehmen kann, baute die Stadtentwässerung in den letzten drei Jahren einen neuen Kanal: Am Mittwoch wurde der "Industriesammler Nord" in Betrieb genommen.
Über Zuleitungen der Chipfabriken Infineon, GlobalFoundries, Bosch und ESMC führt der rund zehn Kilometer lange Kanal durch Teile der Heide, den Heller, entlang der Autobahn 4 unter der Flutrinne durch bis zur Kläranlage in Kaditz.
Die im Außendurchmesser bis zu zwei Meter großen Rohre verlaufen dabei über drei Kilometer in aufgebaggerten Gräben, sieben Kilometer tief unter der Erde in bis zu 13 Metern Tiefe.
Dabei fraß sich auch ein 28 Tonnen schwerer Bohrkopf durch Sand und Gestein, während dahinter schwere Betonrohre per Hydraulikpresse eingeschoben wurden. Das Gefälle beträgt dabei 100 Meter. Hunderte Bäume mussten gefällt werden.
"Wir werden aber mehr wieder aufforsten", erklärt Torsten Seiler (52) von der Stadtentwässerung.
Teurer soll die Abwasser-Rechnung nicht werden
OB Dirk Hilbert (55, FDP) gab den Kanal am Mittwoch mit für den regulären Betrieb frei und lobte das in gerade mal drei Jahren Bauzeit umgesetzte 76-Millionen-Euro-Projekt.
Die Chipwerke seien nicht ohne Grund in Dresden, wo Behörden und Infrastruktur funktionierten.
"Wir sind im globalen Wettbewerb", betonte Hilbert. Da seien nicht Düsseldorf oder München Konkurrenten, sondern Singapur, Taiwan, Japan und Nordamerika.
Übrigens: Teurer soll die Abwasser-Rechnung (die Gebühren stiegen zuletzt Anfang 2026 erstmals seit fünf Jahren) laut Stadtentwässerungs-Chefin Gunda Röstel (64) nicht werden. Die Chip-Giganten zahlen wie die Bewohner für ihren Verbrauch.
Titelfoto: Bildmontage: Stadtentwässerung Dresden/Torsten Fiedler//Stadtentwässerung Dresden//Holm Helis
