In der dunkelsten Stunde schicken Dir diese Dresdner einen Mutmacher
Dresden - Wenn die Gedanken kreisen und das Thema Suizid plötzlich ganz nah rückt, fehlen oft die richtigen Worte - oder jemand, der sie ausspricht. Genau hier setzt die Dresdner Plattform "Mutpost" an: mit persönlichen Briefen von Menschen, die Krisen überstanden haben und all denen, die einfach anderen Mut machen möchten. Sie wollen zeigen: Du bist nicht allein.
Entstanden ist das Projekt am Werner-Felber-Institut für Suizidprävention. "Als ich das Video von Ben West sah, dachte ich: Das brauchen wir auch im deutschsprachigen Raum", sagt Initiatorin Christiane Felsenstein (30).
West ist ein britischer Aktivist für psychische Gesundheit. Die Inspiration kam von seiner englischsprachigen Seite "reasons to stay" ("Gründe, zu bleiben"). Ende Januar begann das Team mit der Entwicklung, kürzlich ging die Website online.
Heute sind dort rund 1000 Briefe zu finden. Das Prinzip ist bewusst einfach: "Es gibt keine Anmeldung, wir greifen keine Daten ab, alles ist so niedrigschwellig wie möglich."
Auf der Startseite erscheint zufällig ein Brief mit einer mutmachenden Botschaft. Wer möchte, kann weiterlesen - oder selbst einen Text einreichen. "Ich habe immer gesagt, wenn wir nur einer Person helfen, dann hat sich das alles schon gelohnt."
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Mutpost: Persönliche Briefe als "kleine Unterstützung"
Warum das so wichtig ist? "Wenn Menschen hören, wie andere das überwunden haben, können sie neue Kraft schöpfen und merken, dass sie nicht allein sind", erklärt Felsenstein.
Grundlage ist der sogenannte Papageno-Effekt: Mutmachende Beispiele können Hoffnung geben. Jeder Brief wird vor der Veröffentlichung geprüft, von ihr oder einem Hintergrunddienst aus angehenden Psychotherapeutinnen.
Klar ist aber auch: "Die Mutpost kann natürlich keine professionelle Therapie ersetzen." Gerade in Zeiten langer Wartezeiten könne sie jedoch "eine kleine Unterstützung" sein.
Neben "Mutpost" bietet das Institut Workshops für Schüler ab Klasse 8 an, schult Lehrkräfte, Schulsozialarbeiter und Unternehmen.
Hast Du Suizidgedanken? Die Telefonseelsorge bietet anonym und kostenfrei Hilfe: 08001110111 oder 08001110222.
Titelfoto: Petra Hornig

