Influencer schießt gegen BBQ-Restaurant nahe Dresden: Jetzt spricht der Geschäftsführer
Bannewitz - Zwischen der BBQ-Restaurantkette Timberjacks und Gastro-Influencer Kemal Üres ist ein Streit entbrannt. Auslöser ist ein Video des Content Creators, in dem er die angebotenen Speisen scharf kritisiert. Nun äußert sich Geschäftsführer Thomas Kemner zu den Vorwürfen.
Kemal Üres ist in der Gastronomie-Szene kein Unbekannter. Der Influencer war früher selbst als Gastronom tätig und arbeitet heute vor allem als Content Creator und Gastro-Coach.
Im Gespräch mit TAG24 erzählt Timberjacks-Geschäftsführer Thomas, dass Üres das Unternehmen bereits 2024 und erneut 2025 kontaktiert habe, um seine Beratungsleistungen anzubieten. Beide Angebote habe man jedoch abgelehnt. Dabei soll Üres das Konzept der Restaurantkette noch gelobt haben.
Nun stattete der selbsternannte "Gastroflüsterer" Timberjacks einen Besuch ab - und verlor in seinem kürzlich veröffentlichten Video, das bereits über eine Million Aufrufe hat, kein gutes Wort über das Angebot. Im Gegenteil: Er bezeichnete das Essen als "echt das Schlechteste mit, das ich je gegessen habe" und sprach von einer "Beleidigung". Am Ende bot er Timberjacks erneut seine Coaching-Leistungen an.
Nach der Veröffentlichung des Videos nahm Timberjacks den betreffenden Abend intern noch einmal genau unter die Lupe. Zunächst sei man selbst davon ausgegangen, "dass an dem betreffenden Abend möglicherweise erhebliche Fehler passiert sein könnten".
Kemner erklärt: "Fehler können in jedem Gastronomiebetrieb vorkommen. Gerade Betriebe mit hoher Gästezahl arbeiten täglich unter erheblichem Zeitdruck. Deshalb haben wir den gesamten Vorgang intern umfassend analysiert."
Nach dieser Analyse sei das Unternehmen jedoch zu einer völlig anderen Bewertung gekommen. Die gezeigten Speisen hätten dem üblichen Qualitätsstandard entsprochen.
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Timberjacks sieht in Kemal Üres' Bewertung ein System
Nachdem Timberjacks sich mit einem ausführlichen Statement zu Wort gemeldet hatte, äußerte sich auch Üres erneut in einer Instagram-Story dazu. Darin sagte er: "Ich wollte euch einfach entgegenkommen nach diesem Video, dass wir zusammen so viel wertvollen Content für die Gastronomen hätten machen können, von dem so viele profitieren, und ihr hättet noch eine richtig geile Werbung."
Timberjacks sieht darin einen möglichen Zusammenhang mit der sogenannten "Problem-Solution-Selling"-Methode. Dabei wird zunächst ein Problem besonders groß dargestellt und anschließend eine passende Lösung angeboten.
"Ob dieser Eindruck im vorliegenden Fall zutrifft, muss jeder Leser selbst beurteilen. In diesem Fall gab es aus unserer Sicht allerdings kein entsprechendes Problem - vielmehr wurde durch die Darstellung erst eines konstruiert", so Kemner.
Zugleich wirft der Geschäftsführer die Frage auf, ob die Kritik möglicherweise anders ausgefallen wäre, wenn Timberjacks zuvor eine Zusammenarbeit mit Üres eingegangen wäre.
In einer Story offenbarte der Influencer zudem, zahlreiche Nachrichten von ehemaligen Timberjacks-Mitarbeitern erhalten zu haben, die seine Kritik untermauern würden. Nach Angaben von Timberjacks soll Üres dem Unternehmen sogar angekündigt haben, private Nachrichten ehemaliger Beschäftigter zu veröffentlichen, sollte das Restaurant seine Stellungnahme nicht löschen.
Kemner sagt dazu: "Jeder Unternehmer weiß, dass Personalentscheidungen zum Tagesgeschäft gehören. Arbeitsverhältnisse beginnen und enden, und ehemalige Mitarbeiter bewerten ihren früheren Arbeitgeber nicht immer positiv. Daraus Rückschlüsse auf ein gesamtes Unternehmen zu ziehen, halten wir für wenig belastbar."
Timberjacks hat rechtliche Schritte eingeleitet
In mehreren Kommentaren unter dem Video von Üres warfen User Timberjacks vor, nicht mit Kritik umgehen zu können, da negative Google-Bewertungen wegen angeblicher Diffamierung gelöscht würden.
Kemner erklärt dazu: "Was die Löschung von Google-Bewertungen betrifft, arbeiten wir, wie viele Unternehmen, mit einer spezialisierten Agentur zusammen."
Er ergänzt: "Bewertungen, bei denen der Verdacht besteht, dass sie auf unwahren Tatsachen beruhen oder von Personen stammen, die unser Restaurant nie besucht haben, lassen wir überprüfen."
Dabei betont er: "Berechtigte Kritik bleibt hiervon selbstverständlich unberührt und ist für uns ein wichtiger Bestandteil unserer Qualitätsentwicklung."
Mittlerweile hat das Unternehmen rechtliche Schritte gegen den Influencer eingeleitet. Timberjacks sieht ein grundsätzliches Problem darin, wie sehr reichweitenstarke Creator heute die öffentliche Wahrnehmung eines Unternehmens beeinflussen können.
"Bereits einzelne Beiträge können erhebliche Auswirkungen auf Reputation und wirtschaftliche Entwicklung haben", so Kemner.
Auch bestehende Vertragsbeziehungen mit einem Anbieter von Gastronomie-Software werden laut Kemner in den kommenden Wochen geprüft. Hintergrund sei dessen Verbindung zu einer Unternehmensgruppe, die offenbar einen wesentlichen Anteil an der von Üres gegründeten Gastro Business School hält.
TAG24 hat Kemal Üres um ein Statement gebeten. Sein Management teilte daraufhin mit: "Kemal hätte Ihre Fragen sehr gern beantwortet, aber aufgrund einer anwaltlichen Abmahnung möchte er dazu nichts mehr sagen."
Titelfoto: Bildmontage: Instagram/Screenshot/Kemalueres, picture alliance/dpa, PR / Timberjacks

