Nach Zwangsräumung auf der Straße: So radikalisierte sich die Dresdner Familie

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Dresden - Eine Woche nach der Zwangsräumung setzt Familie Rednik in Dresden-Leuben ihre Demo fort. Der Ausstieg aus dem System hatte sich für Annette und Michael (51, 57) zwar jahrelang angekündigt. Doch an einem entscheidenden Tag "gingen die Schotten runter" und das Ehepaar radikalisierte sich.

Eine Woche nach der Zwangsräumung geht die Demonstration weiter: Familie Rednik auf dem Fußweg der Stephensonstraße in Leuben.
Eine Woche nach der Zwangsräumung geht die Demonstration weiter: Familie Rednik auf dem Fußweg der Stephensonstraße in Leuben.  © Holm Helis

Das regnerische Wochenende verbrachte die Familie in einem "bereitgestellten" Auto. Am milden Montagmittag sitzen die Eltern gemeinsam mit ihrer ältesten Tochter Jenny (27) auf dem Straßenboden.

Annette und Michael, wie sich beide selbst nannten, kennen sich seit den Uni-Tagen, studierten gemeinsam Pädagogik.

Während des zweiten Staatsexamens besannen sie sich auf das Handwerk zurück, machten Umschulungen zum Friseur und eröffneten 1999 "in einer eigenhändig ausgebauten Doppelgarage" ihren eigenen Salon mit Fußpflege in Dresden-Blasewitz.

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Die damals dreiköpfige Familie wohnte in einer Dachgeschosswohnung in der Maistraße in Striesen, zahlte systemkonform Miete und Steuern: "Ich habe als Jugendlicher fast nichts ausgegeben. Im Wehrdienst die 120 Ostmark monatlich gespart. Mit dem Salon konnten wir fast 1000 Euro im Monat zur Seite gelegt", rechnet Michael Rednik vor.

Nach zwölf Jahren waren 120.000 Euro gespart, 140.000 Euro gaben die Eltern dazu. 2009 wurde das Haus an der Stephensonstraße gekauft, während der Friseursalon weiterlief.

Nicht nur das Dach über dem Kopf fehlt, auch das Klavier und der Fernseher.
Nicht nur das Dach über dem Kopf fehlt, auch das Klavier und der Fernseher.  © Freie Familie Dresden
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Motorisierte Turnübungen: Michelle Rednik (25) im ehemaligen Hausgarten.
Motorisierte Turnübungen: Michelle Rednik (25) im ehemaligen Hausgarten.  © Freie Familie Dresden
Das selbst gebaute Badezimmer im zwangsgeräumten Haus.
Das selbst gebaute Badezimmer im zwangsgeräumten Haus.  © Freie Familie Dresden

Radikalisierung geschah mit einem Schlag

Vor einer Woche wurde das Haus an der Stephensonstraße zwangsgeräumt.
Vor einer Woche wurde das Haus an der Stephensonstraße zwangsgeräumt.  © Petra Hornig

Spätestens seit 2012 ist die Familie überzeugt: "Das Rechtssystem, das Bildungssystem, das ganze System ist kaputt und wir müssen uns selbst vorbereiten."

Der Entschluss reifte, "Selbstversorger" zu werden. "Wir waren schon immer kleine Vorratssammler und haben das recht gut systematisiert", berichtete Annette.

Die Radikalisierung geschah mit einem Schlag im Mai 2015.

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Annette und Michael Rednik schlossen den Friseursalon, hörten auf, die Grundsteuer zu zahlen, die ihnen später mit der Zwangsversteigerung im November 2025 zum Verhängnis wurde, und sagten sich für immer vom System los: "An diesem Tag wurden unsere drei Töchter vom Jugendamt geholt, da sind für mich die Schotten runtergegangen", erinnert sich die Mutter.

Das Jugendamt sah in den Familienverhältnissen offensichtlich eine Gefahr für die Entwicklung der Kinder. Zu diesem Zeitpunkt waren sie bereits seit Monaten nicht mehr in der Schule gewesen.

Titelfoto: Holm Helis

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