Dresden - Aus Holzabfällen werden Klimaschützer: Im Großen Garten steht seit Mittwoch eine neue Pflanzenkohleanlage. Sie soll helfen, die historischen Gärten besser gegen Trockenheit zu wappnen und aus gefällten Bäumen einen wertvollen Rohstoff zu machen.
Dabei werden die Holzreste geschreddert, in einem Container bei rund 60 Grad getrocknet und anschließend in einen Kessel gehievt, die sogenannte "Pyrolyse".
"Die Biomasse wird bei 700 Grad erhitzt, dabei ist kein Sauerstoff in dem Kessel, sodass es nicht verbrennt, sondern zu Kohle wird", weiß Fachplaner Harald Ley (60) von "Green Innovations".
Die Pflanzenkohle soll vor allem dabei helfen, Wasser und Nährstoffe im Boden zu halten. Doch einfach unter die Erde mischen lässt sie sich nicht.
"Eine Handvoll reicht, um ein ganzes Fußballfeld zu versorgen. Man darf die Kohle nicht pur verwenden, dann würde es dem Boden sogar Nährstoffe und Wasser entziehen. Deshalb muss das mit Komposterde vermengt werden", erklärt Schlösserland-Gartenleiter Claudius Wecke (44).
Anschließend wird das Gemisch einen Monat liegen gelassen, sodass es "sich auflädt". "Es werden jährlich etwa 19 Tonnen Kohle rauskommen, das deckt unseren Bedarf."
Neue Anlage im Großen Garten: Stadt Dresden war skeptisch
Das Besondere: "Die Kohlestückchen bleiben ein Jahrhundert in der Erde stabil, können so Nährstoffe und Wasser speichern, was gerade im Hinblick auf immer trockenere Zeiten wichtig ist."
Schlösserland-Chef Christian Striefler (64) ist begeistert: "Wir haben viele Holzabfälle, die nutzlos sind, aber eben ein wichtiger Stoff." Denn "allein im vergangenen Jahr mussten wir hier rund 600 Bäume fällen und es werden natürlich nicht weniger".
Die Anlage erzeugt zudem selbst die Energie, die sie benötigt, kommt ohne Stromanschluss aus. Ganz ohne Hürden ging die Installation allerdings nicht über die Bühne.
Die Stadt Dresden begegnete der unbekannten Technik skeptisch, auch wegen des Denkmalschutzes und möglicher Emissionen.
"Die Stadt war nicht immer Unterstützer. Sie kannten das System ja nicht, da es so modern ist. Deshalb wurden die Emissionswerte gemessen. Es sind sogar weniger, als ein einzelnes Auto ausstößt", erklärt Experte Harald Ley.