Rückzug vom Brennpunkt geplant: Gorbitz soll sein Polizeirevier verlieren
Dresden - Befremden im Brennpunkt: Das Polizeirevier Dresden-West soll aus Gorbitz verschwinden.
Dabei liegt es nur einen Katzensprung vom Amalie-Dietrich-Platz entfernt - seit vielen Jahren ein Kriminalitätsschwerpunkt mit Drogendeals, Überfällen, Gewalt. Wird der Wegzug des Reviers die Sicherheitslage verschärfen?
Für die Unterbringung der Polizei ist der Freistaat zuständig. Er will das in die Jahre gekommene Gebäude an der Julius-Vahlteich-Straße - direkt neben dem berüchtigten Platz - abreißen und über drei Kilometer Fußweg weiter nördlich neu bauen. Damit wandert das Revier aus dem belebten Brennpunkt in Gorbitz in ein Gewerbegebiet ...
Gegenüber TAG24 bestätigt der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) den Plan.
"Die Neuunterbringung des Polizeireviers Dresden-West ist am Standort Hamburger Straße geplant." Das sei die "wirtschaftlichste Variante" - eine Sanierung oder ein Neubau in Gorbitz seien teurer.
Konkrete Kosten? Werden nicht genannt, weil die Planung noch läuft.
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Sicherheit in Gorbitz soll unter dem Wegzug der Polizei nicht leiden
Die Stadt plant bereits eine Änderung des Bebauungsplans, damit das Revier in der Friedrichstadt entstehen kann. "Die Lage am Rand eines Gewerbegebietes in der Nähe des Stadtzentrums erscheint plausibel", meint ein Sprecher. "Die Anbindung durch die Waltherstraße ist ebenfalls günstig."
Was ist aber mit der Bürgernähe im Brennpunkt - dort, wo die Polizei wirklich gebraucht wird? Die Behörden sehen kein Problem: Die Sicherheit soll unter dem Wegzug nicht leiden. Das Polizeirevier Dresden-West ist für den gesamten Stadtbezirk Cotta, Pieschen, Friedrichstadt und mehrere Ortschaften zuständig.
"Der Standort eines Polizeireviers in einem Stadtteil ist nicht entscheidend für eine hohe Polizeipräsenz", sagt Polizeisprecher Marko Laske (52). In der Neustadt sei es zum Beispiel gelungen, zwei Kriminalitätsschwerpunkte am Alaunplatz und an der Schiefen Ecke aufzuheben, obwohl das Revier an der Stauffenbergallee liegt. Gorbitz werde aktuell regelmäßig bestreift, das solle auch künftig so bleiben.
Das SIB stellt sogar eine "potenzielle Nachnutzung" des alten Reviers durch die Polizei in Aussicht. Laut Rathaus wird außerdem eine "Präsenzstrategie für den Bereich Gorbitz" erarbeitet. Stadträtin Berit Schönfeld (52, BSW) mahnt: "Schöne Worte schaffen noch keine Sicherheit. Bisher fehlt jedes konkrete Konzept dafür."
Was Gorbitzer zum Revier-Umzug sagen
Olaf Reithmeier (60) hat eine klare Meinung. "Dann wird es hier noch bösartiger." Er selbst habe vor Ort schon Anzeige erstattet. "Ich wurde beklaut. Zum Revier kann man immer schnell hingehen, das muss bleiben."
"Das ist ja verrückt", findet Irene Vöhringer (77). "Die Hochhäuser sind alle Brennpunkte. Zum Glück habe ich eine große Klappe und kann mich wehren. Wegziehen will ich auch nicht."
Carola Wolf (46) sagt: "Ich fühle mich in Gorbitz schon wohl, bin mit den Plänen aber nicht einverstanden." Der Weg zum Revier werde länger dauern. "Mit dem Fahrrad geht's vielleicht noch."
Noch mehr Kriminalität befürchtet Marcel Zimmermann (39). "An der Haltestelle gibt es immer Schlägereien. Abends können Frauen hier schon nicht mehr langgehen. Wenn ich von der Nachtschicht auf dem Nachhauseweg bin, habe ich auch noch nie eine Streife gesehen."
Titelfoto: Thomas Türpe

