Trinkkultur am Sächsischen Hof: Becher mussten bis auf den letzten Tropfen geleert werden

Dresden - Man kann sich einen Empfang am Dresdner Hof des 17. Jahrhunderts als feuchtfröhliche Angelegenheit vorstellen. Ein hoher Gast kommt an, bekommt einen kostbaren Pokal in die Hand gedrückt – und soll ihn erst wieder absetzen, wenn er leer ist. Der Pokal ist nicht einfach ein schlichtes Trinkgefäß, sondern hat die Form eines Hirsches, eines Schiffes oder einer Windmühle.

Bacchus auf einem Fass zeigt diese Trinkskulptur, entstanden zwischen 1590 und 1602 in Nürnberg.  © SKD/Grünes Gewölbe

Diese Verbindung von Kunst, Repräsentation und Trinkfestigkeit steht im Mittelpunkt der neuen Ausstellung "Auf ex! Willkommpokale im Grünen Gewölbe" im Sponsel-Raum des Neuen Grünen Gewölbes.

23 außergewöhnliche Trinkgefäße sind dort zu sehen, 17 davon stammen aus dem Grünen Gewölbe. Die Ausstellung läuft bis zum 3. Januar 2027 und ist Teil des Programms zum 300-jährigen Bestehen des Grünen Gewölbes.

Was heute Kunstgegenstände sind, waren damals Gebrauchsgegenstände, immerhin in allerfeinster Gestaltung der Goldschmiedekunst. "Auf ex!", die titelgebende Aufforderung an den Gast, war nicht einfach so dahingesagt.

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Das Ausrufungszeichen im Titel macht klar: Der Becher war zu leeren bis zum letzten Tropfen. Bei manchen Gefäßen war die richtige Handhabung schwierig.

Wer den Inhalt verschüttete oder das Gefäß nicht leer bekam, riskierte, dass wieder nachgeschenkt wurde. Obendrein wurde in Trinkbüchern festgehalten, wer was getrunken hatte. Auch das ist in der Ausstellung dokumentiert.

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Ausstellung im Grünen Gewölbe: "Auf ex!"

Die Ausstellung läuft unter dem Namen "Auf ex! Willkommpokale im Grünen Gewölbe".(Archivbild)  © Sebastian Kahnert/dpa

So unterhaltsam das Thema ist, steckt hinter der Ausstellung strenge wissenschaftliche Arbeit. "Die Ausstellung ist Abschluss eines zehnjährigen Forschungsprojekts zu den Goldschmiedearbeiten des Grünen Gewölbes", sagt Jutta Weinhold, Kuratorin und stellvertretende Direktorin des Grünen Gewölbes.

Dabei wurden 348 Objekte untersucht und ihre Geschichte, Herstellung und Bedeutung für die höfische Repräsentation erforscht. Die Ergebnisse sind in einem dreibändigen Bestandskatalog veröffentlicht.

Die Schau öffnet ein Fenster nicht nur zur Willkommens- und Trinkkultur bei Hofe. Die kunstvollen Gefäße waren Teil höfischer Selbstdarstellung. Wer so etwas herstellen ließ, zeigte Reichtum, kulturelles Können und Sinn fürs gute Leben.

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Zu den auffälligsten Stücken gehört der Schlösschenpokal des Dresdner Goldschmieds Georg Mond von 1605/1606. Das 65,5 Zentimeter hohe Gefäß ist ein Architekturmodell: Es zeigt das Lusthaus auf der Festung Sonnenstein bei Pirna. Das Gebäude wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört.

Der Pokal ist deshalb mehr als ein kurioses Trinkgefäß - er bewahrt die Erinnerung daran, wie dieses längst verschwundene Gebäude aussah.

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