Marionetten werden digital lebendig: Puppentheatersammlung experimentiert mit der TU Dresden

Dresden - Das Puppenspiel mit an Fäden geführten Marionetten ist eine analoge Kunst. Eigentlich. Doch lässt sie sich auch in die virtuelle Gegenwart überführen.

Die Familie Ritscher beim Marionetten-Spiel.  © Puppentheatersammlung/SKD

Unter dem Titel "Bühne ohne Grenzen. Experiment im erweiterten Museum" werden in der aktuellen Sonderausstellung der Puppentheatersammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) im Kraftwerk Mitte historische Puppen durch digitale Technik wieder lebendig.

Hinter dieser Sonderausstellung steckt das Forschungsprojekt ANIMA, eine Zusammenarbeit der SKD mit einem Forscherteam der TU Dresden vom Immersive Experience Lab der Fakultät Informatik. Gemeinsames Ziel: die Grenzen einer Puppentheatersammlung zu erweitern.

Denn: In der musealen Sammlung bleibt die ursprüngliche Funktion von Marionetten - ihre Animation durch Spieler - oft unsichtbar. Diese sollen nun durch digitale Technik wieder erfahrbar werden.

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Man bezieht sich dabei auf die Schausteller-Familie Ritscher, die seit den 30er-Jahren durch Sachsen tourte und ihre Marionettenbühnen in Gasthöfen aufbaute, etwa in einem 1894 erbauten Saal in Niederoderwitz in der Oberlausitz.

Der dortige, gut erhaltene Raum wurde für das Projekt digitalisiert und wird in der Sonderausstellungsfläche im Kraftwerk Mitte virtuell projiziert.

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Immersives Museumserlebnis per VR-Brille

In der virtuellen Bühne können Museumsbesucher selbst die Marionetten bewegen.  © IXLAB/TUDresden (SKD Dresden)

Das Publikum von heute kann somit in den 15. August 1959 eintauchen, als die Ritschers ihr Stück "Gräfin Cosel" aufführten. Das sei nicht überliefert, laut Museumsdirektorin Kathi Loch musste man mit Dokumentationsmaterial arbeiten.

Besucher finden sich in der rund fünf mal fünf großen Marionettenbühne wieder, die im damaligen Gastsaal aufgebaut wurde. Nur mit VR-Brille lässt sich die Marionetten-Vorstellung erleben.

Dafür wurden etwa die Gräfin Cosel und der Kasper gescannt - nur zwei von 12.000 Puppen aus der SKD-Sammlung. Für Matthew McGinity, Professor für Gestaltung immersiver Medien der TU Dresden, ein Ansatz für die Idee eines "experimentellen Museums".

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SKD-Generaldirektor Bernd Ebert erhofft sich "wichtige neue Impulse für die lebendige Vermittlung unserer Inhalte".

Testphase und Öffnungszeiten

Mit VR-Brille werden Puppen erfahrbar.  © Andreas Diesend/Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Ob diese virtuell erlebbare Bühne, in der die Besucher auch selbst Puppen bewegen können, ein Projekt für die Zukunft ist, ob die digitale Technologie einen Mehrwert bietet und das analoge Museumserlebnis produktiv ergänzen kann, soll die nun begonnene Testphase erweisen, die bis zum 17. Dezember läuft und danach ausgewertet wird.

Öffnungszeiten: Donnerstags, 14 und 16 Uhr im Rahmen einer begleiteten Evaluation, die Buchung von Zeitfenstern wird empfohlen.

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