Nach dem Bierzelt-Ärger: Warum OB Hilbert am Donnerstag schon wieder den Stadtrat "schwänzt"
Dresden - Nach dem Bierzelt-Ärger für OB Dirk Hilbert (55, FDP), der zum Unmut vieler Stadträte statt der Sitzung im Rathaus lieber das Oktoberfest besucht hatte, verpasst das Stadtoberhaupt auch die Ratssitzung am Donnerstag. Dieses Mal weilt er im Urlaub.
"Saufen scheint wichtiger zu sein": Schon Hilberts Abwesenheit während der Ratssitzung im September hatte fraktionsübergreifend für Kritik gesorgt. Ein Stadtsprecher verteidigte den OB, der den Termin beim Pichmännel-Oktoberfest als Repräsentant der Stadt wahrgenommen habe.
Doch wegen Urlaubs (unter anderem Indien, heißt es) fehlt Hilbert am Donnerstag schon wieder. "Es ist der Job von Dirk Hilbert, den Stadtrat zu leiten. Jedes normale Stadtratsmitglied organisiert den Urlaub um die Termine herum. Hier wäre mehr Respekt vor dem demokratisch gewählten Gremium angebracht", kritisiert Stefan Engel (34, SPD).
Die Terminplanung des Rats stamme vom OB selbst und sei seit 16 Monaten bekannt. In Städten wie Leipzig seien solche Abwesenheiten unbekannt.
"Jeder verdient Urlaub. Nichtsdestotrotz ist Dirk Hilbert der Oberbürgermeister, da ist es nicht zu viel verlangt, dass er seinen Urlaub in die (vielen) sitzungsfreien Wochen des Jahres legt", fordert PVP-Stadträtin Anne Herpertz (28, Piraten).
"So tun es auch die 70 Mitglieder des Stadtrates, die ihr Mandat übrigens im Gegensatz zum OB im Ehrenamt ausüben."
Parteifreund verteidigt Hilbert
Linken-Fraktionschef André Schollbach (47): "Hilbert schwänzt die zweite Sitzung in Folge. Es wäre zu begrüßen, wenn Dresden wieder einen Oberbürgermeister hätte, der bei seiner Amtsführung die nötigen Prioritäten setzt."
Statt Hilbert leitet damit sein Vertreter und Erster Bürgermeister Jan Donhauser (57, CDU) die Ratssitzung.
Der darf zwar den Takt vorgeben, aber anders als der OB kein Kreuzchen bei Abstimmungen setzen - Hilberts Stimme fehlt ersatzlos.
"Dies ist das erste und bisher einzige Mal, dass der Oberbürgermeister in dieser Wahlperiode an einer Sitzung aus privaten Gründen nicht teilnehmen kann", teilt das Rathaus mit.
Parteifreund Patrick Probst (54, FDP) gönnt Hilbert dessen Auszeit: "Er ist oft weit über die normale Arbeitszeit hinaus tätig."
Titelfoto: Michael Schmidt

