Preisschock beim Tanken: Sachsen fahren lieber zu den Tschechen

Dresden - Wer in Dresden derzeit tanken muss, ist arm dran: Die Preisanzeigen treiben Autofahrer die Tränen in den Augen: Super bis zu 1,62 Euro, der Liter Diesel bei manchen Tankstellen über 1,40 Euro. Wie gut, dass die Grenzen nach Böhmen wieder offen sind. Dort boomt inzwischen der Tanktourismus. Wer günstig "vollmachen" will, muss sich aber beeilen ...

Der Andrang an Dresdens Tankstellen ist derzeit wohl eher verhalten ...
Der Andrang an Dresdens Tankstellen ist derzeit wohl eher verhalten ...  © Ove Landgraf

Auffällig viele Autos mit sächsischen Kennzeichen rollen an die Zapfsäulen der ONO-Tanke in Chlumec, nur wenige Kilometer hinter der Grenze. Zu Stoßzeiten bilden sich Schlangen.

Kein Wunder: Die Preisunterschiede zu Sachsen sind enorm! Ein Liter Super (Natural 95) kostete bei ONO am Mittwoch 1,20 Euro. Der Diesel floss für 1,10 Euro pro Liter.

Bei anderen Anbietern wie MOL, Robin Oil oder OMV sah es ähnlich aus. Zum Vergleich: An der Aral-Tanke in Dresden an der Radeburger Straße kostete am Mittwoch der Liter Super 1,619 Euro, Diesel gab es für 1,419 Euro, also bis zu 42 Cent Differenz - pro Liter!

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Pro Tankfüllung (35 Liter) kommen da schnell 15 Euro Ersparnis zusammen.

Kraftstoff soll noch teurer werden

Zum Vergleich: Links die Preise an der ONO-Tankstelle, rechts eine Aral-Tankstelle in Dresden.
Zum Vergleich: Links die Preise an der ONO-Tankstelle, rechts eine Aral-Tankstelle in Dresden.  © Montage: Eric Münch, Ove Landgraf

ONO-Tankstellenbetreiber Jiri Ondra, der landesweit mehr als 20 Pumpstationen betreibt, freut sich: "Durch die großen Preisunterschiede kommen gerade besonders viele Sachsen zu uns zum Tanken." Das bestätigt auch ein Mitarbeiter der zum Travel-free-Markt gehörenden Tanke in Petrovice.

"Unsere Kunden kommen fast ausschließlich aus Deutschland, besonders an den Wochenenden." Jiri Ondra warnt jedoch: "Diese Woche sind die Preise noch gut, nächste Woche wird es voraussichtlich teurer."

In Deutschland hofft man beim Mineralölwirtschaftsverband (MWV) in Berlin "im Sinne der Verbraucher auf eine Preisberuhigung". "Der Weltölmarkt ist immer wieder für Überraschungen gut - in beide Richtungen", so MWV-Chef Christian Küchen.

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Auf lange Sicht wird Kraftstoff in Deutschland jedoch wahrscheinlich noch teurer: Der CO2-Aufschlag wird weiter steigen. Ab 2022 sind es schon 30 Euro je Tonne CO2, das entspricht weiteren drei Cent je Liter Benzin und Diesel.

Kein Wunder, dass hier die Auto- und Lieferfahrer Schlange stehen.
Kein Wunder, dass hier die Auto- und Lieferfahrer Schlange stehen.  © Eric Münch

Deshalb explodieren gerade die Spritpreise

Die Preise sind so hoch wie seit zwei Jahren nicht mehr: Zuletzt im Juni 2019 lag - wie heute - der Preis für Super-Benzin bundesdurchschnittlich bei 1,50 Euro je Liter. Damals war der Ölpreis höher als heute, jetzt bekommen Verbraucher den CO2-Preisaufschlag (25 Euro je Tonne CO2) auf Kraftstoffe zu spüren.

Konkret heißt das: Seit Jahresbeginn ist der Benzinpreis um 18 Cent je Liter gestiegen. Davon gehen 7 Cent auf die Einführung des CO2-Preisaufschlags, mindestens 4 Cent auf die Wiederanhebung der Mehrwertsteuer auf den alten Satz, der Rest auf den höheren Ölpreis.

Titelfoto: Eric Münch

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