Dresden - Dresdens Brunnen-Misere nimmt kein Ende. Nachdem die Verwaltung die Wasserspiele erst mit einem Monat Verspätung sprudeln ließ und Ende Mai gerade mal zehn von 71 Brunnen in Betrieb waren, beschloss der Stadtrat mit dem Nachtragshaushalt Ende Juni die Brunnen-Rettung. Doch nun will das Rathaus die Saison nicht wie üblich im Oktober, sondern bereits in wenigen Tagen beenden - Stadträte sind entsetzt.
Bereits im Vorjahr hatte der Stadtrat eingreifen müssen, damit die Brunnen sprudeln konnten. Jetzt wiederholt sich das Trauerspiel.
Dabei beschlossen die Räte Ende Juni den Nachtragshaushalt (und damit das Ende der Haushaltssperre) extra mit dem Zusatz, alle Brunnen umgehend bis Saisonende (beginnt laut Rathaus normalerweise etwa Mitte April und endet im Oktober) in Betrieb zu nehmen.
"Das hatte uns Oberbürgermeister Hilbert während der Verhandlungen auch zugesagt", so CDU-Fraktionschefin Heike Ahnert (45).
Doch am Montag verkündete Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (60, Grüne) im Ausschuss, die Brunnensaison nur bis Ende August laufen zu lassen.
Laut einer Verwaltungspräsentation sollen danach schrittweise erst die großen Anlagen und danach kleine und mittlere Brunnen abgeschaltet werden.
Kritik über vorzeitiges Ende der Brunnen-Saison
Grund: Trotz Nachtragshaushalt sei "eine reguläre Brunnensaison finanziell nicht gesichert", heißt es. Um Stromkosten zu sparen, wurden auch die Laufzeiten großer Anlagen wie vor dem Kulturpalast reduziert: Anstatt regulär zwölf Stunden (kostet circa 14.000 Euro pro Saison) sprudeln die Wasserbecken jetzt nur noch vier Stunden (15 bis 17 und 20 bis 22 Uhr, kostet circa 5000 Euro).
Team Zastrow spricht von einer "Farce", Ahnert von einem "Skandal". Grünen-Stadtrat Moritz Knobel (32) bezeichnet die Saisonverkürzung als "Taschenspielertrick" Hilberts und nimmt Jähnigen in Schutz, die sich dem Sparzwang des OBs unterordnen müsse.
"Unser erklärtes Ziel war es immer, die Brunnen so lange laufen zu lassen, wie es die finanzielle Ausstattung der Landeshauptstadt zulässt und so auch den Auftrag des Stadtrats zu erfüllen", teilte die Umweltbürgermeisterin am Dienstag mit.
Viele kleinere Anlagen mit geringeren Betriebskosten sollen noch bis Oktober betrieben werden.
Als Gegenmaßnahme beschloss der Ausschuss einstimmig, die Saison im Oktober enden und die Brunnen zwölf Stunden täglich sprudeln zu lassen. Das letzte Wort hat der Stadtrat.