Uniklinik Dresden baut Angebot aus: "Können Krebs nicht ausrotten, aber immer besser behandeln"

Dresden - Eine Krebsdiagnose im Jugendalter bremst Patienten besonders aus. Statt sich auf Schulabschluss, Berufswahl oder Studium konzentrieren zu können, müssen sie zunächst eine heimtückische Krankheit besiegen. Damit junge Betroffene künftig noch besser dabei begleitet werden können, möchte das Universitätsklinikum Dresden (UKD) nun sein Angebot erweitern.

Die beiden UKD-Ärzte Judith Lohse (r.) und Katharina Egger-Heidrich besprechen mit Patientin Michelle Müller die nächsten Behandlungsschritte.
Die beiden UKD-Ärzte Judith Lohse (r.) und Katharina Egger-Heidrich besprechen mit Patientin Michelle Müller die nächsten Behandlungsschritte.  © Sebastian Kahnert/dpa

"Mädchen und Jungen in der Pubertät oder beim Sprung in das Berufsleben befinden sich ohnehin in einer schwierigen Phase. Deshalb brauchen sie eine andere Unterstützung als ältere Patienten", sagte Judith Lohse, UKD-Ärztin für pädiatrische Hämatologie und Onkologie.

Ein Kind, das mit drei Jahren an Leukämie erkranke, könne sich später nicht an die Behandlung erinnern. Doch bei älteren Kindern und Jugendlichen sei oft eine psychosoziale Hilfe erforderlich.

Deshalb geht es in Dresden zunächst darum, spezielle Lotsen für Betroffene zu etablieren - eine Leistung, die sich momentan nur über Spenden finanzieren lässt.

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Der Lotse soll während des stationären Aufenthalts und der ambulanten Therapie dem Patienten als Mentor zur Seite stehen, erläuterte Anna Kraft, Sprecherin vom UKD-Zentrum für Tumorerkrankungen.

"Er soll zudem Möglichkeiten für einen regelmäßigen Austausch schaffen, etwa in Form eines Cafés oder bei Bewegungsangeboten für diese Patienten."

Im UKD-Zentrum für Tumorerkrankungen soll künftig mit fest etablierten Lotsen eine noch bessere Begleitung der Betroffenen ermöglicht werden.
Im UKD-Zentrum für Tumorerkrankungen soll künftig mit fest etablierten Lotsen eine noch bessere Begleitung der Betroffenen ermöglicht werden.  © Thomas Türpe

Akute Lymphatische Leukämie ist häufigste Krebserkrankung bei Kindern

Egger-Heidrich bereitet bei Patientin Müller die Blutabnahme vor.
Egger-Heidrich bereitet bei Patientin Müller die Blutabnahme vor.  © Sebastian Kahnert/dpa

UKD-Internistin Katharina Egger-Heidrich, die gemeinsam mit Judith Lohse Sprechstunden zur Nachsorge einer Krebstherapie anbietet, verweist auf die Statistik. In den vergangenen zwei bis drei Jahrzehnten hätten sich die Heilungschancen bei bestimmten Krebsarten erheblich verbessert.

Laut dem Deutschen Kinderkrebsregister von 2019 würden 82 Prozent der Patienten im Alter von unter 18 eine Krebserkrankung mindestens 15 Jahre überleben, bei Lymphatischer Leukämie seien es sogar 90 Prozent.

Sieben Prozent der Betroffenen erkrankten innerhalb von 30 Jahren nach der Diagnose erneut an Krebs, weshalb der Nachsorge ein besonderer Stellenwert zukomme.

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"Wir können den Krebs nicht ausrotten, aber immer besser behandeln", sagte Ärztin Lohse. Häufigste Krebserkrankung im Kindesalter sei die Akute Lymphatische Leukämie. Das betreffe etwa ein Viertel der jungen Krebspatienten.

Möglicherweise würden Leukämien durch Infektionen getriggert, was ihre Häufigkeit in dieser Altersgruppe erklären könnte. In Dresden gebe es etwa 60 bis 70 Neuerkrankungen im Jahr.

Egger-Heidrich zufolge verkraften junge Menschen eine Chemotherapie in der Regel besser. "Bei ihnen sind die Organe noch gesund, sie bringen keine Vorerkrankungen wie Leberschäden oder Niereninsuffizienzen mit." Erst mit zunehmendem Alter verschlechtere sich die Prognose.

Titelfoto: Montage: Sebastian Kahnert/dpa, Thomas Türpe

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