Dresden - Mehr Gesprächskreis als Demo: Unter dem Motto "Zeit zu handeln" trafen sich am Sonntag mehrere tausend Demonstranten auf dem Theaterplatz. Grund war, dass in Sachsen-Anhalt erstmals seit 1945 mit der AfD eine rechtsextreme Partei in Deutschland wieder die Regierung übernehmen könnte. Doch im Gegensatz zu herkömmlichen Demos lag der Schwerpunkt diesmal nicht auf Redebeiträgen und Parolen.
Ab 13 Uhr versammelten sich die Demonstranten auf dem Dresdner Theaterplatz. Waren 10.000 angemeldet, folgten dem Aufruf laut Veranstaltern 5000 Teilnehmer.
"Das ist nicht irgendeine Partei, die eine Wahl gewonnen hat", sagte Moderator Matthias Lüth (30, SPD) auf der Bühne über die Sachsen-Anhalter AfD. "Das sind Rechtsextremist:innen, das sind Nationalsozialist:innen, die nach der Macht greifen, die sagen, dass es so in diesem Land nicht weitergehen soll. Die sich menschenverachtend äußern, die sich rassistisch äußern, die sich sexistisch äußern, die diese Macht an sich reißen wollen. Und deswegen ist höchste Zeit zum Handeln."
Kurz darauf war das Redeprogramm jedoch erst mal vorbei. Statt Reden von der Bühne zu lauschen, versammelten sich die Demonstranten mit 115 Moderatoren und diskutierten rund eine Stunde, wie man sich zukünftig vernetzen und organisieren könnte.
Dazu hatten 25 Initiativen und Parteien Stände aufgebaut, wo man sich über diese informieren und sich gegebenenfalls engagieren konnte.
"Wir müssen laut sein!", so der Chef der "Radensleben Transport GmbH"
Danach sprach noch mal eine Rednerin von "Psychologisch for Future", bezeichnete sich dabei als Konservative, der es genau deshalb wichtig sei, die Demokratie zu erhalten.
Es folgte Alexander Rose (59), Chef der "Radensleben Transport GmbH": "Haltet nicht die Klappe, sagt, was euch stört", so der Unternehmer. "Wir sind viel zu leise und dann wird's nämlich so, wie wir es nicht wollen. Wir müssen laut sein!"
Das Bühnenprogramm endete mit Musikbeiträgen von Tini Bot und Adrian Artmann.
Die Polizei sicherte die Kundgebung ab, musste lediglich eingreifen, als der rechte Medienaktivist Sebastian "Weichreite" Weber (35, AfD) mit einem Anwalt aneinandergeriet.
Wer dort nun wen geschubst hat und ob das bereits eine Straftat war, muss nun ermittelt werden.